Gedichtbände

Unterwegs in Raum und Zeit

Die Autorin präsentiert eine spannende und äußerst lesenswerte Sammlung von kurzen Geschichten aus ihrem ereignisreichen Leben. Dabei werden Erlebnisse aus ihrer Studienzeit und viele Reisen in nahe und ferne Länder geschildert. Man kommt beim Lesen richtig in Reisestimmung, Fernweh bricht aus!

In der ersten Geschichte "Ferienarchitektur" schildert die Autorin den Massentourismus mit seinen bekannten unangenehmen Begleiterscheinungen, wie
z. B. die Unterbringung in lieblosen Betonburgen. Seit einiger Zeit bieten allerdings erfinderische Unternehmer mit Erfolg Gegenentwürfe an. Dabei werden u. a. ganze Heimatdörfer auf die Kanarischen Inseln verpflanzt!

Solche Angebote richten sich vor allem an ein Publikum mit Sinn für Stil und Design und natürlich auch dem nötigen Geldbeutel.

Attraktive Städte haben es der Autorin angetan: So beschreibt sie zum Beispiel das pulsierende Leben in der Multikulti-Stadt New York.

Ein weiteres Kapitel gilt den Schuhen. Darin finden auch die Schuhe Hemingways gebührende Beachtung. Sein Refugiun beschreibt sie u. a. wie folgt:
"Drinnen riecht es nach Mann: Raubkatzenfelle und Büffelgeweihe hängen an den Wänden. Die Whiskyflasche steht da …"

In einer Impression über das Meer schwärmt sie: "Kein Horizont engt den Blick ein. In der Ferne ein paar Punkte nur, das sind Schiffe, die sich nicht zu bewegen scheinen.

Von New York nach London: "wo Juden und Araber friedlich koexistieren.

An der Nordwestecke des Regent's Parks gelegen, stoßen Judentum und Islam in konzentrierter Form aufeinander, denn dort befindet sich zum einen die Synagoge
St. John's Wood und direkt gegenüber das islamische Hotel Ramada sowie einen Steinwurf entfernt die größte Synagoge der Millionenstadt. Keine Bewachung, gar nichts, kein Polizist ist deswegen dort zu sehen, das ganz normale Leben nimmt seinen Lauf."

Wie sehr würden sich die Leser diese unkriegerische Koexistenz in allen anderen Teilen der Welt wünschen!

"Für Modeinteressierte ist London immer eine Reise wert: Die meisten der edlen Boutiquen mit allseits bekannten Namen wie Gucci, Nina Ricci, Ferragamo, Yves St. Laurent, Donna Karan, Hugo Boss und Versace, um nur einige zu nennen, liegen an der New Bond Street. Diese Straße muss man sich gut merken, wenn man sich für Designermode interessiert."

Aber nicht nur für Städte, auch für die Natur kann sich die Autorin begeistern. Ihr Kapitel über Teneriffa ist eine Hommage an diese wundervolle Insel, die vor allem für Blumenliebhaber ein Paradies darstellt.

In der "Pilgerreise nach Mekka" werden die Unterschiede und Probleme zwischen einem alten, streng gläubigen Moslemvater und seinem jungen, modernen, in Frankreich lebenden Sohn beschrieben. Beide begeben sich zusammen auf eine Reise nach Mekka. Der Vater stirbt nach der langen Reise in Mekka, der Sohn ist trotz aller Streitigkeiten unendlich dankbar, einen solchen Vater gehabt zu haben.

Nicht weit von Mekka entfernt liegt "Oman" (Vereinigte Arabische Emirate): Sultan Qabus, so schreibt sie, sei ein sehr fürsorglicher Landesvater. Ihm verdanken die Omanis den hohen Lebensstandard, ihm verdanken sie in politischer Hinsicht Ruhe und Frieden, geringe Kriminalität, und das aus folgendem Grunde: Die Omanis selbst sind so wohlhabend, dass für sie Kriminalität kein Thema ist. Allerdings gelten im Falle eines Deliktes die sehr strengen Gesetze des Korans und selbst bei kleineren Vergehen wird drakonisch bestraft.

Die weiteren Zustände in diesem Land sind für uns Europäer unvorstellbar paradiesisch.
Es treffen Mittelalter und Moderne, Orient und Okzident friedlich aufeinander.

Zurück aus Kuba verliebt sie sich in das beschauliche Baden-Baden, die ehemalige Kurstadt des Rezensenten!

Weiter geht ihre Reise nach Paris, wo sie die berühmten Cafés "Le Flore" und "Aux deux magots" besucht, im Bewusstsein, dass hier bereits Jean Cocteau, Gerard Philippe, Simone Signoret, Yves Montand, Paul Elouard, Appollinaire, André Malraux ein- und ausgegangen sind.

In der Universitätsstadt Tübingen verbrachte sie als "Täubchen" einen Teil ihrer Studienzeit. Sie erzählt die anrührige Geschichte von dem zuckerkranken, aber dennoch brillanten Professor im philosophischen Seminar.

Weitere Geschichten befassen sie mit der Computerwelt und dem Internet, der die nicht mehr ganz junge Autorin ihren Respekt zollt. Sie ist beeindruckt, dass ein Nutzer theoretisch und praktisch an einem einzigen Tag mehrere Erdteile virtuell besuchen, Gespräche führen, Verabredungen treffen und Gedanken austauschen kann, sodass man einen solchen Austausch mit Gedankensprüngen vergleichen könnte, die sich in der Jetztzeit abspielen oder sich auf die eigene oder fremde Vergangenheit beziehen, wie in einem Spiel mit den Koordinaten Raum und Zeit.

Auch mit dem Sinn und Unsinn der Werbung beschäftigt sich die gebildete Autorin. Ein großer deutscher Unterhaltungselektronik-Markt fällt bei ihr absolut in Ungnade.

Panik kommt "Im Großstadtdschungel" auf. Die Protagonistin ist im Parkhaus eingeschlossen. Das eiserne Tor ist zu. Wer kein Handy dabei hat, ist verloren.

Äußerst lehrreich und beachtenswert ist ihr Kapitel "Erde, Wasser, Feuer, Luft". Die Autorin sucht hinter den rein natürlichen Eigenschaften dieser Elemente, die Heilkraft und sonstige Bedeutung für den Menschen. Sie glaubt, dass wir gerade in unserer modernen, technisierten Welt eine Rückbesinnung auf diese Urelemente benötigen.

In einer ihrer letzten Geschichten mit dem Titel "Rückwärts" lässt sie uns an den üblen Folgen kleiner, aber trotzdem oft kostspieliger Autounfälle teilhaben. Wir alle kennen das. Das Leben ist kein Paradies! Leider.

Hugo Meyer
04.05.2015

 
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Das Buch:

Richmuth Görz: Unterwegs in Raum und Zeit

Frankfurt: August von Goethe Literaturverlag 2015
144 S., € 19,80
ISBN: 978-3-8372-1640-0

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