Gedichtbände

Mein kleines Bild der Schöpfung

Das Bändchen enthält neben einigen fremden Gedichten zwölf eigene Dichtungen mit teilweise autobiografischen Zügen. Nach dem stimmungsvollen Start mit der "Mondnacht" von Joseph von Eichendorff stellt die Autorin mit "Das Wunder von Langeneß" ihre ersten persönlichen Verse vor, die im krassen Gegensatz zur vorigen geschilderten Idylle stehen.

Sie widmet sich den Menschen, die auf dieser Hallig wohnen und ständig an die Gefahren einer vernichtenden Sturmflut denken. Dabei beschreiben die gewählten Worte treffend die Bedrohung durch die Natur, die schließlich in einem "Höllenschlund" endet. Es mag den Bewohnern sicher schwerfallen, daran zu glauben, ob Gott sie retten kann, stellt aber einen Bezug zum Buchtitel "Gott und die Welt" dar.

Nach Martin Luthers ausdrucksvollem "Morgensegen" folgt der etwas profanere und eher witzige sowie humorvolle "Ehekrach": Den Gedanken an ein künftiges mögliches Alleinsein schließt sich allerdings schnell das Versöhnungsangebot mit einem Gläschen Wein an. Der "Nebel" zeigt, wie rasch sich die wechselnden Launen der Natur direkt auf das Gemüt der Menschen auswirken. In "Gedanken über eine sehr schmale Mondsichel" versucht die Großmutter, ihrem kleinen Enkelkind behutsam und einfühlsam zu erklären, dass Gott Sterne und Mond geschaffen hat. Und für diese Erkenntnis bedarf es weder Himmelsstürmer noch Rechner und Riesenteleskope.

Nach Heinrich Heines "Leise zieht durch mein Gemüt", Hilde Domins "Bitte" und C. F. Meyers "Der römische Brunnen" - allesamt bekannte, bildhafte, ausdrucksstarke Verse - erfreuen heitere Kleinigkeiten wie "Zwei Vöglein im Walde" das Herz der Autorin. Im Kontrast dazu steht wiederum Werner Helds "Waldkonditorei" mit seinem etwas düsteren Inhalt, das die Reihe der externen Gedichte abschließt.

"Der Ja-Ja-Sager" beschreibt in wenigen Worten, aber umso treffender, wie diese abfällige Aussage jede weitere Kommunikation bereits im Keim erstickt.

"Mein Leben" fasst das Dasein der Autorin in 15 Zeilen mit insgesamt 22 Adjektiven zusammen, die zeilenweise auch in Zweier- oder Dreierpaaren geschickt angeordnet sind und wirklich jeden noch so kleinen Aspekt abdecken. Erfreulicherweise endet die Aufzählung mit der Erkenntnis, ein besonntes und besonderes Leben zu führen.

Aber auch die Mitmenschen geraten ins Blickfeld der Autorin: So wird die "Eleganz" einer vornehmen Dame als Gesamtkunstwerk und Komposition angesehen. Und die "Gedanken über das Älterwerden" sollen die älteren Leser zum allerdings maßvollen Sporttreiben motivieren.

Anschließend kann man es sich dann mit den Erinnerungen an diese Lebensfreude auch am Meer gemütlich machen. Dieses Stichwort führt in den beiden folgenden Gedichten nach "Jandía Playa", für die Autorin ein Garten Eden und ein Paradies mit sämtlichen Annehmlichkeiten eines Ferienclubs. Die gefühlvolle Liebeserklärung an den "Frühsommer in Sankt Ingbert, meiner zweiten Heimat" bildet den gelungenen Abschluss.

Besonders in den letzten Gedichten zeigt die Autorin ihre feinsinnige Beobachtungsgabe und ihren Sinn für bildhafte Details ihrer von Gott gegebenen Welt.

Andreas Berger
16.02.2015

 
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Das Buch:

Richmuth Görz: Gott und die Welt

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Frankfurt: Frankfurter Literaturverlag
40 S., € 10,80
ISBN: 978-3-8372-1597-7

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