Gedichtbnde

Poesie & Prosa

Wer schweben möchte, der sollte Henri Haeckels Gedichte lesen. Sie sind leicht und luftig, halten einen nicht fest und verleihen ein Gefühl der Schwerelosigkeit.

Viele seiner Gedichte sind ohne Titel, ein Teil ist ungereimt, philosophierend und maximenartig.

Das Metrum spielt kaum eine Rolle. Die Verse unterscheiden sich oft wenig vom Duktus der gesprochenen Rede. Metaphern dominieren, das real Wahrgenommene wird verklausuliert. Seine Sprache ist sehr gewählt. Es ist die Sprache eines erfahrenen Lyrikers.

Dabei changieren die Verse zwischen Sprachmagie und Weltentrücktheit. Der Dichter zeigt sich als Meister der Erotik, der Menschenkenntnis, aber auch der Natur und seiner Phänomene. Weiters kredenzt er Gedichte über das Phänomen Zeit, über das Geld und die Trunksucht und selbst Clochards und Hooligans werden von ihm bedichtet, wie etwa in dem Gedicht "Der Trinker":

"Nicht mehr von Dauer sein Gedächtnis, von des Trunkes Gift gelähmt, aus seinem Antlitz entfloh die Ruh', der Sinne Flut gezähmt."

Aus dem Gedicht "Ein Hooligan":

"Der Geist beschreitet dunkle Fährten, finster auch sein Blick, auf seiner Seele ein Wahnbild haftet, in das er sich verstrickt."

In dem Gedicht "Zeitnah" philosophiert er über die Moral:

"Wer die Moral vergisst, dem werden stets die Augen größer; und die gebrauchten Worte, sie werden willentlich auch gröber."

Und weiter:

"Wer die Moral vergisst, sollt' sich eines Bessren besinnen, denn ohne eine Ethik, kann man auf Dauer nichts beginnen."

Über die Liebe sagt er unter anderem:

"Wenn wild die Leidenschaft sich regt, wo vorher sanfte Lieb' gehaust, welch schüchtern Herz mag widerstehen, wenn Liebesglut dagegen braust?"

Seine Naturverehrung dokumentiert er in dem Gedicht "Auf Berges Auen":

"Wie froh, selbst einsam hier zu sein, dem Götter Gruß nicht fern, wo sich der Blüten Vielfalt zeigt, bis blinkt der Abendstern.

und weiter:

Und abseits von des Lebens Narrheit, umgeben von der Auen Ruh', kann ich hier sorgenfrei verharren, oh Gott: - wie tut's mir gut.

Im Gedicht "Adieu - du mir so vertraute Linde" dichtet er:

Wo du so blühend einst gestanden, gibt es dich nicht mehr, des Menschen Hand hat dich gefällt, es kränkt mich gar so sehr.

Schließlich lehrt eine erbauliche Maxime:

"Ein kleines Glück, mit dem man sich zufrieden gibt, heilt viel mehr als große Träume."

Als Resümee kann man im "Augenmerk" lesen:

"In diesem Augenblick beginnt für Sie der Rest Ihres Lebens."

Manfred Enderle
08.12.2014

 
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Das Buch:

Henri Haeckel: Poesie & Prosa. Aphorismen & Sentenzen

Frankfurt: August von Goethe Literaturverlag
174 S., 14,80
ISBN: 978-3-8372-1465-9

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