Gedichtbände

Freiheit der Gedanken

Das Schreiben versteht die Autorin als eine Chance, ihre Gedanken zu äußern. Es ist für sie zugleich wie eine Befreiung. Sie verfolgt mit wachem Verstand und kreativem Geist das Zeitgeschehen und bezieht Zitate der Klassiker in ihre Betrachtungen ein, mit denen sie sich intensiv auseinandergesetzt hat. Es ist auch dieser weit gespannte Bogen, der den Gedichten eine besondere Tiefe verleiht und stets zum Weiterlesen animiert.

Im ersten Teil des bebilderten Lyrikbandes schöpft Aurelia aus einer Textsammlung zum Thema Europa, die durch Fragen zu aktuellen Ereignissen ab 17. Juni 2012 entstanden ist. Sie widmet sich Gedanken zum Zeitgeist und knüpft an bei Aurel, wenn sie diesen mit den Worten zitiert "dass alles sich in ewigem unveränderlichen Kreislauf befindet". Mit Gedichten zu dieser Thematik erreicht Aurelia einen hohen Grad an Aktualität, denn sie bezieht in ihre Gedanken unter anderem die Situation in der EU, in Griechenland, einen Jahresrückblick 2012 und einen Ausblick 2013 ein.

Sie wendet sich dem erschütternden UNICEF-Foto des Jah-res 2012 zu, das das Bürgerkriegsleid in Syrien zeigt und lei-tet mit den Gedanken zu dem unendlich traurigen Kinder-blick auf diesem Bild über zum Amoklauf in Newtown. Immer wieder sind es die Ereignisse des Zeitgeschehens, denen sie Raum gibt, wie der Wahlkampf in Berlin, die Katastrophen vom 11. September 2001 und von Fukushima 2011 und der Bau des Stuttgarter Bahnhofs. Sehr aufschlussreich sind die Verse zum 11. September in der Jahresfolge von 2001 bis 2005. Sie hält es ganz wie Kant mit dessen zitierten Worten "habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen". Mit dieser Haltung hinterlassen die Gedichte von Aurelia Spuren im Geiste des Lesers. Aurelia sagt dazu zum Abschluss ihrer lyrischen Gedanken "und glücklich, wer durch Spuren im Sand seinen inneren Weg wieder erkannt".

Dabei ist für sie wichtig, nie tatenlos zuzusehen und nicht deprimiert, hoffnungslos und illusionslos zu werden und so ist das Bild eines Lichtloches in der Wolkenfront, durch das die Sonnenstrahlen dringen, eine Metapher für die neue Lebensfreude und eine Welt, die sich verwandelt. Zu der Freiheit der Gedanken zählt für Aurelia auch das Ungesagte, das sie aber zugleich als Teil der zwischenmenschlichen Verständigung versteht, das in Einheit mit Verständnis zu sehen ist.

Mit den Gedichten von Aurelia hat sich diese viel Achtung erworben. Sie verdichten und erweitern zugleich, lassen Spielraum und sind doch sehr konkret, ganz im Sinne der Gedankenfreiheit.

Dr. Helga Miesch
26.05.2014

 

Lesung im Deutschen Literaturfernsehen:

http://www.autoren-tv.de/vorschaltseiten/aurelia_intro.html

 
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Das Buch:

Aurelia:
Buch-Fink

Bild: Buchcover Aurelia: Buch-Fink

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2014
48 S., € 10,80
ISBN: 978-3-8372-1442-0

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