Gedichtbnde

Eine wahnsinnige Bandbreite an Gefhlen

... die Michael Walther Harth mit seiner Sammlung an kurzen und langen Gedichten und Gedanken präsentiert. Auf 44 Seiten lässt er das Revue passieren, was jeder einzelne von uns (zumindest auf lange Sicht betrachtet) schon mehr als einmal mitgemacht hat: das Leben als Wechselbad der Gefühle, in dem es niemals nur rosig und toll oder nur traurig und finster zugeht, sondern sich das eine mit dem anderen abwechselt. Harth lässt dabei den Leser spüren, dass nichts in Stein gemeißelt ist, dass wenn es in Krisenzeiten mal kaum einen Ausweg zu geben scheint, es oft in der Macht von einem selbst liegt, sich aus dem Strudel der schlechten Gefühle zu befreien, indem man versucht, alles aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. All dies hat Michael Hardt meisterlich in Versform gebracht.

Mal sind es nur kleine Gedanken oder Wortspiele, mal komplexe lyrische Konstrukte, bei denen die Form die Aussage unterstreicht, anstatt sie zu überdecken. Über die Hintergründe erfährt der Leser allerdings nicht viel. Die Texte stehen für sich. Und doch scheint es an manchen Stellen durch, dass die Gedichte, auch bei pessimistischeren und dunkleren Passagen, nicht "ins Blaue hinein" geschrieben wurden. Dafür wirken sie zu authentisch und nah. Wie bei anscheinend jedem guten Lyriker muss es auch mal eine Phase des Leids gegeben haben, die der Dichter dann schreibend verarbeitet. Dass er sich dabei auf nur wenige Worte, auf nur ein paar Zeilen beschränken muss, lässt die Kraft der Worte nur noch stärker auf den Leser wirken.

Die Kunst der Lyrik besteht im besten Falle darin, sowohl dem Leser als auch dem Schreiber ein befreiendes Gefühl zu vermitteln, im besten Wortsinn "rettende Kunst" - doch nur zu oft ist bei manchem Werk dieses Gefühl beschränkt auf entweder Trauer und Weltschmerz, oder es ist von Freude und neu gewonnenem Lebensmut gezeichnet. Nicht so bei Harth: Mühelos schafft er den Spagat zwischen Selbstzweifel und Lebensfreude, Pessimismus und dem Gefühl, dass doch irgendwann alles wieder gut wird. So schaffen es die Gedichte von Michael Walther Harth, große Unterhaltung zu liefern, ohne dabei auf Tiefgang zu verzichten. Der Abwechslungsreichtum bei sowohl der Form als auch dem Inhalt und den damit verbundenen Emotionen lässt das Buch nie langweilig werden. So ist es bestens sowohl zum kurzen Innehalten als auch zu einem langen Leseabend auf der Couch geeignet.

Gerrit Koehler
19.08.2013


Die Lesung im Deutschen Literaturfernsehen finden Sie hier.

 
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Das Buch:

Michael Walther Harth: Rettende Kunst

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2013
56 S., 9,80
ISBN: 978-3-8372-1267-9

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