Gedichtbnde

Drang nach Deutung - in Bild und Text

"Drei Himmel am Tag" steht über dem außergewöhnlichen Werk, mit dem Ronny Goerner einen - so ist anzunehmen - weiten Kreis schauender, lesender und bedenkender Menschen anspricht. Man hält damit einen in der Gesamtgestaltung überaus gut gefertigten Band in den Händen und schließt dann völlig richtig in der Annahme, dass es auch ein gewichtiger sei. Die Bilder und die im freien Abstand dazu gefassten Gedichte bestätigen, dass es sich bei diesem Buch um einen Glücksfall handelt.

Wenn den Augen wie immer im Mediengebrauch der Vortritt gebührt, wird man Ronny Goerners elementare, unbeirrbare Ausdruckskraft bewundern, die den Drang spüren und suchend leben lässt. Ein Bildwerk voller Stärke und Leidenschaft, wobei Leidenschaft wohl auch mit Provokation einhergeht. Indessen: Es ist eine verantwortete Provokation, die ruft und drängt, oft genug auch schreit. In den Bildern steckt ein urtümlicher Drang nach Deutung und Einsicht.

Links, wie es sich für Texte gebührt, finden sich die Gedichte, die gelegentlich ins Balladenhafte verzweigen: "Umarm' ich die Lieb', da hab ich die Schütt' am Hals ... Umarm' ich die Blüh' - da nächtet die Graus", aber auffallend oft eine Komprimierung aufweisen, die das Textwerk ganz klar in der Jetztzeit ansiedelt: "Es keuscht das Veilchen in Seide". Bisweilen ist auch die Metaebene der Autorin gemeint: "Schlingernd die Zeilen, Wortfontänen auf Stelzen".

Die Gedichte vermitteln Sichtweisen und Haltung, wie etwa "Der Ahnenboden" oder auch "Leere Hüte" - hier besonders reizvoll - verraten. "Zwangsvermutung" entwickelt sich ins Kafkaeske, während anderes - etwa "Im Streichen des Atems" - gleich an alle Sinne geht. Man darf an diesen Texten, deren Worte so schwungvoll und treffsicher angelegt sind, genau so viel Gefallen haben wie am gekonnten Strich.

Das Gemalte und das Geschriebene - sie erklären sich nicht Zentimeter für Zentimeter, aber dafür umso überzeugender in der Weite. Denn sie entsprechen sich in ihrer Totalen, und das macht möglicherweise den Schatz aus, den es in diesem so gekonnt komponierten Buch - ein Vorzeigefall für Buchdesigner - zu heben gilt: dieses Spiel zwischen Formen und Sätzen. Wer den Kartografen das "Rückwärts-Einschneiden" abguckt, wird von den Gedichten und den Bildern auf die handelnde Person schließen können.

Eine Empfehlung: das Buch auf den Seiten 26/27 zu beginnen, um erst einmal das eigene Gespür für Ronny Goerners Schaffen zu entwickeln. Dann erst ab Seite 7 die drei Kommentare heranzuziehen, die von Jan Ernst Adlmann, Aleksander Bassin und Irina Lino stammen. Deren Wahrnehmungen und Einschätzungen können in deutscher, englischer und slowenischer Sprache aufgenommen werden und bieten sich als Lotsenhilfen an. Adlmann etwa weist hin auf das Temperamentvolle und Pulsierende in Goerners Malerei und spricht sehr schön von einem "angeheizten Tanz", der nie enden will. Bassin betont das Empfindsame der virtuosen Gestik und spricht vom Glauben an die "autonome Natur" der Malerei. Und Irina Lino, die besonders nah rangeht, verweist auf das "Wesen hinter der Gestalt", erkennt eine "unbändige Freude am Neubeginn" und schreibt, dass Zweifel und Angst einige "Wörter- und Kratzspuren" hinterlassen hätten.

Ronny Goerner, 1941 in St. Veit / Glan geboren, konnte auf die Mitwirkung dreier begabter Frauen zählen, von denen außer den Lektorinnen Johanna König (deutsch) und Marysia Miller-Aichholz (englisch) wohl Ivana Kampus (slowenisch) deshalb von Bedeutung war, weil sie auch die gelungene Gestaltung entwickeln half. Das fertige Buch gibt den Beteiligten in jeder Beziehung recht.

Ronald Roggen
20.08.2012

 
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Das Buch:

Ronny Goerner: Art and Poems. Drei Himmel am Tag

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Klagenfurt: Hermagoras Verlag 2012
112 S., 29,00
ISBN: 978-3-7086-0671-2

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