Gedichtbnde

Gedichte aus jugendlicher Hand

Nur wenig mehr als 60 Buchseiten blicken uns entgegen und erwarten, dass wir ihre Gedichte aufnehmen. "Meine Wege beim Erwachsenwerden", so hat Angelika Greune ihre Sammlung ?berschrieben. Mit einem listigen Vorwort f?hrt die Verfasserin in ihr Werk ein. "Listig" deshalb, weil das Vorwort unversehens von Prosa in das Versma? schleicht. 

Wer viele Gedichte liest, mag sich zun?chst an den Holprigkeiten aufhalten, die Angelika Greune dem Leser auf den Weg streut. Aber eben: Es sind Gedichte aus jugendlicher, ungest?mer Art - und nicht Arbeiten eines alten Weisen, der stundenlang bedenken mag, was er der Nachwelt hinterl?sst. Frischer Zugriff auf die Sprache also, altersgerecht, los damit! Die Gedanken fliegen, die S?tze sausen, zum einen Wort findet sich rasch der Reim. Diese unbek?mmerte Beh?ndigkeit geh?rt nun einmal zu diesem - sagen wir einmal - "jungen Buch". Nur weniges verr?t langes Bedenken, bei Angelika Greune purzeln die Worte unbesorgt ?ber das druckbereite Papier. Sehr oft sind es ungef?hre Reime, die beim Leser allzu harte Strenge verbieten. 

Es sind die Freuden, Sorgen und N?te des Alltags, die Angelika Greune auff?ngt und in Zeilen fasst. Vieles empfindet sie zu eng, unter vielem leidet sie offensichtlich: "Bedr?ckend ist oft die Zeit, wie ein zu eng geschn?rtes Kleid." Oft genug versteckt sich leiser Humor hinter den unbeschwerten Strophen. "Gef?hle gehen ihre eigenen Wege", schreibt sie, vielfach ist sie "traurig und fr?hlich zugleich". Jugend eben, die noch sucht. Da wird auch ?ber verpasste Chancen geschrieben, wenn nicht gerade Verliebtheit durchschimmert. Es ist auch von bangen Zeiten die Rede: 

Wie wird meine Zukunft? 
War an das Bett magnetisiert, 
konnte mich kaum bewegen. 
Wusste nicht, was nun passiert, 
blieb einfach liegend kleben.

Auch wenn vieles rasch hingeschrieben scheint, so oberfl?chlich wird man sich die Verfasserin nicht vorstellen d?rfen. Sie vermisst den Gro?vater, schreibt ?ber erfahrenes Ungl?ck und l?sst ihr Leiden f?hlen. Man verl?sst den sympathisch bescheidenen Band mit dem Gef?hl, hier habe ein Mensch im Austausch mit der eigenen Schrift nach Antworten gesucht. 

Die Gedichte sind in f?nf Kapiteln untergebracht, die sich chronologisch aneinander reihen. Selbstverst?ndlich spielt die Liebe darin eine wichtige Rolle: "Mein Herz wird immer wissen, dass es dich in sich h?lt." Und Liebe verbindet sie mit Farben: "Jede Zeile eine Farbe nur f?r dich." Die letztgenannte Zeile stammt aus dem Gedicht "Vergangenheitsblick", das ihr wie die anderen gut gelungen ist. 

M?glicherweise steckt die Leistung dieser Gedichte nicht im einzelnen Begriff und nicht in der einzelnen Aussage. Sondern in der ehrlichen Gesamtaussage, die gerade der Ungeschliffenheit und Unverf?lschtheit wegen ein offen und bereitwillig lesendes Publikum erfreuen mag. Warum sollte die Verfasserin im Titel korrekt "beim Erwachsenwerden" schreiben, wenn man es auch so versteht, wie sie es hingeschrieben hat? 

Ronald Roggen 
07.03.2011 

 
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Das Buch:

Angelika Greune: Meine Wege beim Erwachsenwerden in Gedichten

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Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2007
65 S., 7,90
ISBN: 978-3-8372-0096-6

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