Gedichtbnde

Ein voller Gernhardt-Genuss

Gesammelte Gedichte gegen die Schwermut! Robert Gernhardt erheitert Beschwerliches, polemisiert Begehrliches, beunruhigt Beschauliches - bringt dabei Nonsens und Strenge des Reims stets ins rechte Lot (oder auch nicht), fordert der deutschen Sprache alle Finessen und dem Leser reges Mitdenken ab (letzteres funktioniert nicht immer, siehe unten), und kommentiert in diesem nicht gerade schmächtigen Band (siehe links), der das Œuvre der letzten 50 Schaffensjahre versammelt, sein Tun und Lassen aufs Unterhaltsamste.

In den "Anmerkungen des Autors" erfahren wir viel - und darunter viel Amüsantes - über Lust und Leiden des Schreibens ("Gelegenheit macht Gedichte - doch wer macht Gelegenheiten?"), über die Wehen und Weihen des Literaturbetriebs sowie über die Reaktionen, die Dichtung noch heute in der Gesellschaft auslösen kann. Gernhardt scheute die öffentliche Stellungnahme, etwa nachdem sein "Gebet" einen Sturm der Entrüstung in der christlichen Gemeinde los getreten hatte, nicht - in diesem Fall in Form einer Tagung mit dem Namen "Wo hört der Spaß auf?", deren Ergebnis er wie folgt resümiert: "Unter der Leitung von Uwe Wittstock und assistiert von der Alt-Stadtschreiberin Eva Demski redeten unter freiem Himmel bei Ebbelwei und Bretzeln Christen, Bürger sowie der Stein des Anstoßes niveauvoll und aufs toleranteste aneinander vorbei." An seinen "Materialien" - eine durch die Form ironisch gebrochene Verballhornung des Sonetts -, 1979 im "ZEITMagazin" veröffentlicht, rieben sich die Gemüter nicht weniger, Gernhardt weist hier aufgrund des Platzmangels auf die im Nachwort von "Letzte Ölung" abgedruckte vollständige Version hin. Geschichten, die das Schreiben schreibt ...

Was vermisst man in dieser Sammlung, die uns den Facettenreichtum einer der genialsten Sprachtüftler deutscher Hochkomik präsentiert? Natürlich die Illustrationen, die Gernhardt als Cartoonisten erster Güte ausweisen. Zum vollen Gernhardt-Genuss gelangt also nur der, der zusätzlich zur Einzelausgabe greift, wo der "Kragenbär" ? hier sein Dasein als "schlichter Zweizeiler" fristend - seinen Aktivitäten "seitenfüllend" nachgehen kann.

Nicole Stöcker 
15.01.2006

 
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Das Buch:

Robert Gernhardt: Gesammelte Gedichte. 1954 - 2004

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Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2005 1072 S., 15,00 ISBN: 3-1002-5506-2

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