Gedichtbnde

Facetten des Lebens

Die Auswahl der Gedichte ins Feuer ins Wasser von Margarete Jenne zu lesen ist, als würde man mit der Autorin, einer guten alten Bekannten, einen langen Spaziergang machen und über viele vertraute Dinge und Gedanken reden: über Freundschaft, die Liebe, Verzweiflung, Freude und Hoffnung, sowie - vor allem im zweiten Teil des vorliegenden Büchleins - über Trauer, den Tod und das Leben. So kann man den Gedichtband lesen: Gedicht auf Gedicht, den Ablauf der Bilder, den Strom der Gedanken auf sich wirken lassend. Oder man blättert in einer ruhigen Stunde durch die Seiten, um sich hier und da fesseln zu lassen von einer bekannten Erinnerung oder einer tröstlichen Einsicht.

Die Gedanken, die ausgesprochen werden, zeugen von einer großen Lebenserfahrung, von dem Wissen um schöne und unschöne Realitäten, von Enttäuschungen, aber auch von einem tiefen Glauben ans Leben und die eigenen Fähigkeiten, die Zukunft tätig zu gestalten.

Mit knapper, ausdrucksstarker Sprache hat Margarete Jenne eindrucksvolle Klangbilder geschaffen. Metaphern, Reihungen, vor allem Gegensätze, die beredt aufeinandertreffen, wirken bildhaft auf den Leser der kurzen Gedichte. Sie lassen in ihm Verstehen reifen, Einsicht in Fragen, Zweifel und kluge Gedanken zu vielen Facetten des Lebens, die jedem Menschen bekannt sind oder mit denen er sich eines Tages wird auseinandersetzen müssen. Die Bilder, mit denen die Autorin arbeitet, sind dabei durchaus nicht neu - die Jugend als der Frühling des Lebens, Herbst und Winter als Alter und Tod - und sie ziehen sich durch eine Vielzahl der Gedichte. Jennes Sprache ist eher ruhig und von Gleichklang bestimmt, Experimente oder temperamentvolle Ausbrüche finde sich man nicht. Aber von einer "alten Bekannten", mit der man über das Leben sinniert, bei der man vielleicht Ermutigung und Trost sucht, erwartet man auch eher ruhigen, verlässlichen Zuspruch mit verhaltenem Optimismus und eine stille, aber freudige Lebensbejahung.

Margarete Jenne sieht das Leben wie es ist: Freundschaft, Liebe und Glück gehören zu Enttäuschung und Angst vor der Einsamkeit, der Elan der Jugend ist nicht denkbar ohne die abgeklärte Lebenserfahrung des Alters, Verzweiflung und Mutlosigkeit brauchen Hoffnung, und vor allem gehört zum Leben der Tod. Für sie gehört alles zusammen, denn erst die Erfahrung des Negativen ermöglicht das Erkennen und Genießen des Guten und Schönen. Ermutigung und Trost liegen in dem Bewusstsein vom Kreislauf des Lebens, in dem Wissen um die mögliche Überwindung von Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Trauer auf dem Weg in eine bessere, glücklichere Zukunft, in der Einsicht in einen Lebensweg "ins Feuer ins Wasser".

mls 
13.06.2002

 
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Das Buch:

Margarete Jenne: ins Feuer ins Wasser

CMS_IMGTITLE[1]

Egelsbach: Fouqu Literaturverlag 2001
109 S.
ISBN: 3-8267-5002-0

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