Erzählbände & Kurzprosa

Drei herzhaft gewürzte Kurzgeschichten aus dem Süd-Osten Bayerns

Die drei Kurzgeschichten, die die Autorin Wilhelmine Bauregger alle in Bayern ansiedelt, sind geprägt von Spannung und Drama. Steht in der ersten Geschichte noch das Mysteriöse und Unbekannte im Mittelpunkt, werden in den zwei folgenden menschliche Fehler und Abgründe aufgezeigt.

In der Erzählung "Im Landgasthaus ROCK-DOCKY" muss sich die Protagonistin ihren eigenen Ängsten stellen, wenn sie des Nachts von ungewöhnlichen Geräuschen geweckt wird und unheimliche Erscheinungen beobachtet. "Im Schatten des Walnussbaumes" schildert die Bemühungen eines Hauptkommissars, die Lösung eines heimtückischen Überfalls zu finden, während "Der Anwalt und die Akte: "Brombeerstäudl" abwechselnd aus Sicht des Strafverteidigers und seiner Sekretärin erzählt wird.

Die Autorin schreibt in klaren Sätzen, oft sind es nur Gedankensplitter, markiert durch viele Auslassungspunkte. Durchsetzt sind die Erzählungen mit vielen bayerischen Wortgefechten und geprägt durch eine einfache, oft im Dialekt wiedergegebene Sprache, die sie erst richtig authentisch werden lässt. Und genau dies macht den Charme dieses Buches aus, das zwar auch die grausigen Seiten des Menschen aufzeigt, aber beim Leser dennoch nicht nur ein ungutes Gefühl zurück lässt. Denn die "Finsteren Gesellen" sind keine planenden Mörder, sondern Menschen, die aus Effekt handeln und nicht unbedingt den eigenen Vorteil aus der Geschichte ziehen wollen. Obwohl vielfach ein entscheidender Einschnitt aus dem Leben der handelnden Person oder Figur erzählt wird, bleiben die Charaktere alltäglich, weder hervorragend noch heldenhaft. Wodurch eine Identifikation des Lesers erleichtert wird.

Frau Bauregger bedient sich des Genres der Kurzgeschichten, dessen definierte Erzähltechniken sie gekonnt umsetzt. So springt sie zum Beispiel direkt ins Geschehen und stellt höchstens eine kurze Erläuterung der äußeren Umstände voran. Typisch für Kurzgeschichten ist auch die Spanne der erzählten Zeit, die nur ein paar Tage umfasst. Ungewöhnlich jedoch sind die Zeitsprünge in der Handlung, die nicht immer stringent verläuft, sondern um der Spannung Willen so manchen Rückblick für den Leser aufbietet. Eines haben alle Erzählungen jedoch gemeinsam: Sie hinterlassen eine nachdenkliche Stimmung beim Leser.

Bei zweien der Geschichte muss sich der Leser mit einem offenen Schluss zufrieden geben und wird dadurch angeregt, sich eigene Gedanken zu machen und den eigenen Gefühlen auf den Grund zu gehen. Wie hätte man selbst in einer vergleichbaren Situation gehandelt? Dieses Stilmittel ist wohl das bedeutendste einer klassischen Kurzgeschichte und wird von der Autorin erstklassig gehandhabt und teilweise durch eine offene Frage am Ende oder eine Weisheit an den Leser perfektioniert.

Die Autorin versteht es, mithilfe dieser stilistischen Feinheiten den Leser zu fesseln und bis zum Ende der Geschichten bei der Stange zu halten. Denn selten sind die Dinge im Leben so, wie sie auf den ersten Blick erscheinen, und Figuren, die scheinbar nur am Rand einer Geschichte auftauchen, werden auf einmal in den Mittelpunkt gerückt.

Wilhelmine Bauregger schreibt Kurzgeschichten, die zwar vom Seitenumfang nicht alle drei der Definition einer Kurzgeschichte entsprechen, aber dennoch kurz sind, "kurz" für den Leser, der das Buch kaum aus der Hand legen wird.

Hugo Meyer
26.09.2016

 
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Das Buch:

Wilhelmine Bauregger:
Finstere Gesellen

Bild: Buchcover Wilhelmine Bauregger, Finstere Gesellen

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2016
106 S., € 16,80
ISBN: 978-3-8372-1889-3

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