Erzählbände & Kurzprosa

"Pure Anarchie" mit Höhen und Tiefen

Es ist länger als 25 Jahre her, dass Woody Allen ein Buch mit eigenen Geschichten veröffentlicht hat. Zu sehr war der dreifache Oscar-Preisträger seither mit seinen Filmen beschäftigt - praktisch jedes Jahr kam ein neuer Streifen in die Kinos. Jetzt erscheint in Deutschland unter dem Titel «Pure Anarchie» eine Sammlung skurriler Geschichten des Berufskomikers. Als «Mere Anarchy» wurde der Band in den USA bereits einige Monate früher veröffentlicht.

Die bunte Sammlung - etwa die Hälfte der Stücke war schon im Kultmagazin «The New Yorker» abgedruckt - bringt eine Wiederbegegnung mit so ungefähr allen Themen, für die Woody-Allen-Fans den Meister lieben: seine Zweifel und Selbstzweifel, seinen Hang zu den unerreichbar schönen Frauen und seine Verachtung für alles, das die freie Kunst einschränkt oder einschränken will.

Nach den drei Bänden «Ohne Leit kein Freud» (1975), «Wie du dir, so ich mir» (dt. 1978) und «Nebenwirkungen» (1980) sind einige der neuen Geschichten immer noch von der hinreißend leichtfüßigen Komik früherer Tage, etwa wenn Micky Maus als Zeuge in einem Abfindungsprozess gegen den Disney-Konzern aussagt, oder wenn ein Hobby-Physiker seine Annäherungsversuche an die neue Bürokollegin mit der Wellentheorie erklärt.

Und auch wenn Woody Allen mit seinen Filmen das geliebte New York verlassen hat und in England («Cassandras Traum») und Spanien dreht, so sind die Parodien des «Stadtneurotikers» auf die Schönen und Reichen im US-Mikrokosmos zum Teil höchst vergnüglich zu lesen - vom sozialen Absturz einer Familie, die Klein-Micha nicht im angesagten Edel-Kindergarten unterbringt, bis hin zu einer Auktion bei Christie's, bei der jemand für die erhoffte Ersteigerung einer Leberpastete zwei Chagalls verkauft.

Aber es gibt eben auch diese anderen Geschichten, die angestrengt lustigen, die extra witzigen, die künstlich konstruierten, von denen kein Funke mehr überspringt. Und das sind - man muss es sagen - gar nicht so wenige in dem kaum 200 Seiten starken Buch. Vielleicht ist es deshalb mit Woody Allens Geschichten ein bisschen so wie mit Woody Allens Filmen: Man muss sich die heraussuchen, die man mag - und über die kann man sich immer wieder freuen.

Ein schönes Beispiel ist der skurrile Plan, aus dem reichhaltigen Liebesleben der Wiener Gesellschaftsdame Alma Mahler mit Walter Gropius, Franz Werfel, Oskar Kokoschka und ihrem Mann Gustav Mahler ein modernes Musical zu machen. «Wie überwindet Mahler seine Angst vor dem Tod?», fragt einer der Protagonisten da. - «Indem er stirbt. Hab' ich ausgetüftelt, ist wirklich die einzige Möglichkeit.»

Nada Weigelt, dpa
12.09.2007

 
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Das Buch:

Woody Allen:
Pure Anarchie

Bild: Buchcover Woody Allen, Pure Anarchie

Zürich: Kein & Aber Verlag 2007
188 S., € 17,90
ISBN: 978-3-0369-5504-9

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