Erzählbände & Kurzprosa

Grusel mit Moral

Das Autorenduo, bestehend aus Cedric Frierson und Cornelia Orth, legt mit ihrem Erzählband "First Edition" eine Reihe Kurzgeschichten vor, die zwar der Schauerliteratur zuzurechnen sind, aber von einer hohen moralischen Aussage geprägt werden. 

Sei es nun ein Kind, das eine Sonnenbrille geschenkt bekommt, die merkwürdige Eigenschaften hat, oder ein arbeitsloser Ex-Soldat, der unvermittelt eine bestimmte Begabung sein Eigen nennt: In beiden Geschichten müssen die Protagonisten nicht nur lernen mit ihren Besonderheiten umzugehen, sondern erkennen auch die Gefahr, die damit einhergeht. In den drei weiteren Geschichten geht es um die Verfehlungen dreier Personen und den daraus resultierenden Konsequenzen. 

Cedric Frierson und Cornelia Orth nutzten das populäre Genre der Gruselliteratur, um starke moralische Aussagen zu treffen. Dabei spielt der christliche Glaube eine nicht unwesentliche Rolle. Manche mögen sich jetzt wundern, was die Schauerliteratur mit Moral zu tun habe, da sie vielen als Schund gilt. Zum einen ist sie allein schon deswegen kein Schund, weil so gut wie jeder anerkannte Schriftsteller sich auch in diesem Genre geübt hat, und zum anderen ist das zentrale Thema des Horrors die Sünde und die Vergebung. Unter der "schrecklichen" Oberfläche verbergen sich häufig hochmoralische Geschichten, in denen die Figuren für ihre Sünden zahlen müssen und nur der oder die Geläuterte das Böse besiegen kann. In "First Edition" wird das nur stärker als üblich herausgestellt, wobei durch die Bibelzitate und dem angesprochenen Glauben mancher Protagonisten das Christentum hervorgehoben wird. Aber keinesfalls in einer bekehrenden Art und Weise, welche manche Leser des Genres abschrecken könnte. 

Es geht um den Kampf Gut gegen Böse, wobei der Mensch als Stellvertreter Gottes dient. In der Geschichte mit der Brille hat das Kind den Durchblick, da es noch unschuldig ist und keinen wesentlichen Versuchungen wie ein Erwachsener ausgesetzt worden war. Vielmehr war es ein Dulder. Jetzt, wo der Junge die Menschen, Dämonen und die Wahrheit erkennt, gewinnt er an Stärke. In drei anderen Geschichten werden zwei der Todsünden behandelt: Gier und Trägheit. In den drei Geschichten erleben drei verschiedene Männer Ungewöhnliches und werden ihrer Buße zugeführt. Heutiges rücksichtsloses Geschäftsgebaren wird den Todsünden zugerechnet und zeigt deutlich, das heute als Tugenden bezeichnete Eigenschaften eher den christlichen Verfehlungen zuzuschreiben sind. 

Allen Geschichten gemein sind die Spannung und das Unterhaltsame. Wie es sich für Kurzgeschichten gehört, leben sie von den Wendungen und den überraschenden Enden. Alltägliches wird mit Schreckensvisionen kombiniert und ermöglicht damit eine hohe Identifikation des Lesers mit den jeweiligen Gegebenheiten. Letztlich laufen alle Geschichten darauf hinaus, dass man seine Gaben und Talente zum Wohl der Allgemeinheit und nicht zur persönlichen Bereicherung einsetzen soll. Wenn man den Geschichten etwas vorwerfen kann, dann, dass man sie sich etwas ausführlicher gewünscht hätte. Manche Situationen und Szenen hätten durchaus länger sein können. 

Der Erzählband "First Edition" von Cedric Frierson und Cornelia Orth bietet unterhaltsame und spannende Geschichten, die gänzlich unvorhersehbar und voller Wendungen sind. Diese Gruselgeschichten haben aber auch eine hohe moralische Aussage. 

Jons Marek Schiemann 
10.10.2011

 
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Das Buch:

Cedric Frierson,
Cornelia Orth:
First Edition. Kurzgeschichten

Bild: Buchcover Cedric Frierson und Cornelia Orth, First Edition. Kurzgeschichten

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2011
113 S., € 12,80
ISBN: 978-3-8372-0925-9

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