Erzhlbnde & Kurzprosa

Eine Oase der Literatur

Nach seinem vielbeachteten Roman "Im Park" (erschienen 2008) kehrt der Schweizer Autor Christian Haller zu seinen literarischen Wurzeln zur?ck. In seinem neuen Werk "Die Stecknadeln des Herrn Nabokov" verstecken sich 27 philosophisch-anmutende Essays, die den Blick des Lesers auf das Wesentliche im Leben und ?ber die Grenzen des Gew?hnlichen lenken. Ahnt man doch bereits an dieser Stelle, dass dieses kleine B?ndchen keine Allt?glichkeit auf dem Buchmarkt ist, sondern eher ein kleiner Diamant, der durch die Lekt?re der 160 Seiten und die Gedanken und Empfindungen des Lesers geschliffen wird - eine echte Seltenheit in unserer schnelllebigen Zeit. 

Bereits die erste Geschichte "Voll am Rotieren" f?hrt vor, was es f?r uns bedeutet, sich dem Tempo des modernen Lebens anzupassen. Drei Erwachsene sitzen sich gegen?ber und suchen verzweifelt nach einem n?chsten Termin, um ihr Gespr?ch fortzuf?hren. Doch nachdem jeder Vorschlag mit einem Kopfsch?tteln abgelehnt wird, beschlie?t man, via E-Mail in Kontakt zu bleiben. Ein deutliches Warnsignal f?r den Leser, denn bei solch einer t?glichen Unrast bleibt das Menschliche zwangsl?ufig auf der Strecke. 

Eine Erfahrung, die auch der Autor in diesem Band durchleben muss. Der Wunsch, einen alten Freund wiederzutreffen, wird zunichte gemacht, da dieser erst im ?bern?chsten Monat am Dienstag f?r zwei Stunden Zeit h?tte. In diesem Korsett, das uns Gesellschaft und Zeit aufzuzw?ngen versuchen, geht der Sinn von Freundschaft vollends verloren - denkt doch jeder nur an sich selbst und seine Interessen. Der Grundgedanke solch einer liebevollen Beziehung muss man dabei entbehren - ein Mangel in Folge der Technisierung im 21. Jahrhundert. 

Bevor man sich "Die Stecknadeln des Herrn Nabokov" zu Gem?te f?hrt, sollte das Telefon ausgest?pselt und die T?rklingel abgeschaltet werden, denn Christian Haller hat mit seinem neuesten Buch eine kleine Insel der Ruhe in der schnelllebigen Welt geschaffen, die vor allem wegen des Sprachgef?hls des Schweizer Autors und dessen Feingef?hl den Leser verf?hrt. Zugleich strahlen die 160 Buchseiten eine Intimit?t aus, die hoch poetisch und tiefsinnig dem Leser das Wesentliche im Leben vor Augen f?hrt: die Sch?nheit und Anmut, die uns umgeben. Hallers neuestes Meisterst?ck ist gro?e Literatur und wei? mit wenigen Worten auch Skeptiker zu ?berzeugen. 

Susann Fleischer 
10.01.2011

 
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Das Buch:

Christian Haller: Die Stecknadeln des Herrn Nabokov

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Mnchen: Luchterhand Literaturverlag 2010
160 S., 17,99
ISBN: 978-3-630-87350-3

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