Erzählbände & Kurzprosa

Der zweite Streich vom "Fräuleinwunder der deutschen Underground-Literatur"

Vor einem Jahr erschien im Münchner Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) Katinka Buddenkottes Erzählbändchen "Ich hatte sie alle", das für frischen Schwung in der literarischen Szene sorgte. Danach wurde es leider ein wenig still um das "Fräuleinwunder der deutschen Underground-Literatur" und es stand zu befürchten, dass ein Nachfolgeband voller komisch-skurriler und kunterbunter Erzählungen nie das Licht der (Bücher-)Welt erblicken würde. Doch nun endlich darf aufgeatmet werden, denn "Mit leerer Bluse spricht man nicht" ist vor wenigen Wochen erschienen und verspricht ebenso große Unterhaltung wie sein erfolgreicher Vorgänger.

17 Erzählungen finden sich in dem 144 Seiten umfassenden Lesebändchen. Und eines kann schon jetzt versprochen werden: Katinka Buddenkotte hat sich selbst übertroffen, denn eine Kurzgeschichte ist besser als die nächste und sie sorgen allesamt für viel Bewegung in Zwerchfell und rund um den Mund. Was bleibt auch anderes übrig, als in ein Dauergrinsen zu verfallen, wenn man liest, wie Katinka mit Dr. Römer, Staatsanwalt in der Gerichtsshow "Richterin Barbara Salesch", einen Überfall auf eine Tankstelle plant. Oder man liest auf acht Seiten, wie ein Videorekorder ein Familienleben kräftig durcheinanderwirbelt, wenn er nicht seinen Lieblingsfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" zu sehen bekommt - und das nicht immer nur zur Weihnachtszeit, sondern selbst bei hochsommerlichen Temperaturen. Mal spielt Katinka Mutter Erde, die weint, mal wehrt sie sich gegen einen Irren, der in der U-Bahn behauptet: "Jesus wird kommen, und er wird [...] alle ficken!" Allein dafür lohnt sich die Anschaffung dieses Buches.

Wer allerdings nach wie vor leise Zweifel hegen sollte, wird sich bestimmt bekehren lassen, wenn man liest, dass Katinka Pferde so sehr liebt, dass sie selbst gern eines wäre. Und ein Hund kommt erst ins Haus, wenn man beweist, dass man auch die Austauschschüler versorgen kann. Buddenkottes unvergleichlicher Humor und ihre Art der frohen Leichtigkeit durchziehen das vorliegende Buch wie ein roter Faden an Spaß und kurzweiliger Unterhaltung. Warum sonst ist "Mit leerer Bluse spricht man nicht" nach lediglich zwei, drei Stunden durchgelesen und lässt den Rezipienten mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück?

Eine sommerleichte Urlaubslektüre für den Strand oder ein erheiternder Lesespaß an einem regnerischen Herbstabend? Mit Katinka Buddenkottes Erzählband "Mit leerer Bluse spricht man nicht" ist man jederzeit bestens gerüstet gegen Langeweile und schlechte Laune. Warum? Nach der Lektüre des vorliegenden Buches bleibt einem nichts anderes übrig, als mit einem strahlenden Lächeln durch die große weite Welt zu laufen und ein unbändiges Glücksgefühl zu empfinden. Jede der 17 Erzählungen ist wunderbar bizarr, besitzt Esprit und unwiderstehlichen Charme, sodass Muskelkater vom Totlachen garantiert werden kann. Da bleibt einzig nur eine Empfehlung: Unbedingt kaufen, kaufen, kaufen! Denn solch ein wertvolles Kleinod an Spaß, Kurzweile und ganz großem Humor findet man nur selten und darf in keinem Bücherregal fehlen. Unterhaltung wird hier nämlich ganz groß geschrieben.

Susann Fleischer
30.08.2010

 
Diese Rezension bookmarken:

Das Buch:

Katinka Buddenkotte:
Mit leerer Bluse spricht man nicht

Bild: Buchcover Katinka Buddenkotte, Mit leerer Bluse spricht man nicht

München: dtv 2010
144 S., € 7,95
ISBN: 978-3-423-21230-4

Diesen Titel

Logo von Amazon.de: Diesen Titel können Sie über diesen Link bei Amazon bestellen.