Erzählbände & Kurzprosa

Unverwechselbar

Die schönsten Geschichten von Ilse Gräfin von Bredow wurden hier in einem liebevoll gestalteten Band zusammengefaßt.
Stilistisch unverwechselbar schildert sie Begebenheiten aus ihrer Kindheit in der Mark Brandenburg. Vor unserem geistigen Auge entfaltet sich ländliche Idylle, liebevoll und sorgfältig in allen Details beschrieben - und unvermittelt fühlt man sich in die gute, alte Zeit zurückversetzt.

In nettes Fleckchen Erde werfen wir einen Blick in das aus Lehm zusammengepappte, mit Efeu verschnürte, sich zwischen zwei Seen unter Linden duckende Fachwerkhaus des Herrn Grafen. Trotz aller Vorbehalte den Städtern gegenüber ("dieses Volk ist schlimmer als Rüsselskäfer und Waldbrände") vermietet dieser das kleine Haus am Dorfrand an einen Professor aus der Stadt. Nach dem Antrittsbesuch bei Grafens, Frau Stephanie, die Professorengattin, herausgeputzt mit einer weißen Batistbluse mit blauen Blümchen bestickt, freunden sich die beiden Frauen an. Doch nach einem turbulenten Besuch in der Großstadt Berlin, den Frau Stephanie mit dem Grafen- in Abwesenheit seiner Gattin- unternimmt, kühlt die Freundschaft merklich ab ...

Schauplatz zwischenmenschlicher- und tierischer Begebenheiten ist in Und wer mich liebt, holt mich hier weg die murklige Küche, im ehemals vornehmen Soutterrain gelegen.

Diese Küche besitzt für Mensch wie Tier die gleiche Anziehungskraft. Das Pferd "Wintermärchen" liebt es, die Streusel von dem zum Auskühlen auf die Fensterbank gestellten Blechkuchen zu fressen, die Backröhre des mönströsen Herdes dient als Brutstätte für zu früh geschlüpfte Küken, und Tante Hertas streitsüchtiger Dackel liefert sich eine wilde Beißerei mit Möpschen, dem Bernhardiner. Mamsell, durch den Lärm herbeigerufen, fackelt nicht lange und gießt einen Topf mit, wie sie glaubt, Wasser über beide Hunde aus. Der Inhalt entpuppt sich jedoch als Zuckerlösung und augenblicklich verwandelt sich der Dackel in eine Art Zuckerschnecke. Nachdem Mamsell die verklebte Küche gesäubert hat, entdeckt sie beide Hunde friedlich vereint auf dem Rasen vor dem Küchenfenster. Möpschen, der Süßes über alles liebt, leckt hingebungsvoll seinen neuen Freund fürs Leben ab.

In Tante Käthe mausert sich dieselbe von der armen, geduldeten Hausmaus zur selbstbewußten, nach neuester Mode gekleideten, in einer Beletage wohnenden Dame. Die wundersame Verwandlung verdankt sie der Heirat mit einem, kleinen, beleibten Männchen, das sich als reicher Mann entpuppte. Er fällt in den letzten Kriegstagen.

Allein der Name der Autorin garantiert ein gutes Programm und reinstes Lesevergnügen. Unverwechselbar ihr ausgesprochener Sinn für Humor, ihr ganz eigener Stil, i welchem sie uns an den mannigfaltigen Erlebnisse ihrer Kindheit teilhaben läßt. Liebevoll schildert sie ihr Elternhaus, Mamsell sieht man förmlich, den Kochlöffel schwingend, vor sich -und ihre Abenteuer mit den tierischen Hausgenossen lassen vor Lachen die Tränen kullern. Entspannung pur ist bei dieser Lektüre garantiert.

lid
22.09.2002

 
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Das Buch:

Ilse Gräfin von Bredow:
Meine schönsten Geschichten

Bild: Buchcover Ilse von Bredow, Meine schönsten Geschichten

Bern, München, Wien: Scherz Verlag 2002
207 S.
ISBN: 3-5021-9055-0

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