Dramen

Das Originaldrehbuch eines oscarprmierten Kinofilms

Der Dramatiker Georg Dreyman lebt mit seiner Freundin, der Schauspielerin Christa-Maria Sieland in Ost-Berlin und gilt allgemein als "linien- und parteitreu". Seine Theaterstücke sind nicht aufrührerisch, ihre Aufführungen in den DDR-Theatern stets sehr beliebt. Eines Tages wird der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler aufgefordert, Dreyman zu observieren. Es besteht Grund zur Annahme, dass Dreyman gegen die DDR-Regierung arbeitet - dies wird zumindest Wiesler weisgemacht. In Wahrheit möchte der ostdeutsche Minister Bruno Hempf den Dramatiker loswerden, damit sein Weg zu Dreymans Geliebter Christa-Maria endlich frei ist und er sie ganz für sich alleine hat. Also bespitzelt Wiesler "Das Leben der anderen".

Nachdem Dreymans Wohnung von Stasi-Mitarbeitern genauestens verwanzt worden ist, beginnt Wiesler mit dem operativen Vorgang "Lazlo". Er zieht sich auf den Dachboden des Hauses zurück, in dem Dreyman wohnt, und hält alle scheinbar wichtigen Informationen fest - sei es, dass Dreymans guter Freund Albert Jerska ein Gedicht aus einem vermutlich westdeutschen Brecht-Band zitiert oder dass Dreyman die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bezieht. Allerdings deutet nichts auf feindliches Gedankengut hin und so ziehen die Tage voller Belanglosigkeiten dahin.

Erst als Jerska aufgrund eines siebenjährigen Berufsverbots und der daraus entstandenen Verzweiflung Selbstmord begeht, findet in Dreyman ein innerer Wandel statt. Er überdenkt seine Einstellung zur ostdeutschen Staatsführung und beschließt, in dem westdeutschen Magazin "Der Spiegel" einen Artikel über die seit 1977 nicht mehr geführte Statistik der Selbstmorde in der DDR zu veröffentlichen. Wiesler registriert zwar diesen parteifeindlichen Vorgang, scheint aber bei der Bespitzelung selbst einen Wandel erfahren zu haben. So gibt er in der Akte an, dass Dreyman an einem Theaterstück für das 40-jährige Jubiläum der DDR schreibt. Damit erweist sich Wiesler als Beschützer Dreymans. Lediglich Christa-Maria wird ihrem Freund gefährlich, als sie ihn wegen einer Erpressung bei der Stasi verrät. Und so muss Dreyman um seine Zukunft bangen, als die Stasi unvermittelt vor seiner Tür steht, um die Wohnung zu durchsuchen. Aber vielleicht hat er ja einen Schutzengel?

Florian Henckel von Donnersmarck, der Regisseur von "Das Leben der anderen", hatte eines Tages beim Hören der "Mondschein"-Sonate eine Vision. Er sah einen Mann, der diese Musik durch Kopfhörer wahrnimmt. Als Henckel von Donnersmarck sich mit den Fragen beschäftigte, wer dieser Mann eigentlich ist, wen er belauscht und warum, entstand innerhalb weniger Minuten das Grundgerüst seines Films. Acht Jahre später sollten die Kinozuschauer das Ergebnis der Vision des Regisseurs anschauen können.

Das vorliegende Drehbuch zeichnet sich durch eine Detailgenauigkeit aus, durch die man für drei Stunden in das Schicksal mehrerer Menschen geführt wird. Vor dem inneren Auge des Rezipienten entstehen Bilder, die von Repression, Verzweiflung, Trauer und Liebe gekennzeichnet sind. Die zahlreichen Abbildungen von Originalfilmszenen verstärken den visuellen Effekt zusätzlich. Sie zeigen aber auch, dass das Drehbuch lediglich die Grundlage eines Films bildet, während die Schauspieler den Filmfiguren Leben einhauchen.

Mit diesem Drehbuch tritt der Leser an die Stelle des handelnden Schauspielers und übernimmt alle Rollen - auch die des Regisseurs und Kameramanns. Eben das, was ein Drehbuch bewirken soll. Das viele Zusatzmaterial, wie zum Beispiel ein Interview mit Darsteller Ulrich Mühe oder ein Drehtagebuch von Sebastian Koch, runden das Buch hervorragend ab. Da wirft man nicht nur einen Blick auf das Stück selbst, sondern auch hinter die Kulissen des im Jahr 2007 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichneten Dramas.

Susann Fleischer
10.08.2009

 
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Das Buch:

Florian Henckel von Donnersmarck: Das Leben der anderen. Filmbuch

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Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2007
219 S., 8,50
ISBN: 978-3-518-45908-9

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