Briefliteratur & Tagebuch

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr

Johanna von Koczian hat einst ein Liedchen mit dem treffendem Titel "Das bißchen Haushalt" geträllert. Davon angespornt denkt sich der Autor Martin-Niels Däfler, dass er - da seine Frau die Möglichkeit erhalten hat, als Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens tätig zu sein - von nun an die Rolle des Hausmanns ohne weitere Schwierigkeiten übernehmen kann. Dies lässt sich doch ohne Weiteres mit seinem Geschäftsleben als Wirtschaftsredakteur und Berater vereinbaren. Wären da nur nicht die "lieben" Kinder ...

Um Einblick in das Alltagsleben eines HausMANNES Einblick zu geben, schreibt Däfler Tagebuch, von den Anfängen am 01. Juli bis elf Wochen danach, als ein erstes Fazit gezogen wird. Und wie es sich dafür gehört, wird täglich in dieses hineingeschrieben. Die Erlebnisse beziehen sich dabei auf die ersten Supermarkteinkäufe mit dem Nachwuchs, Streitereien zwischen den Kindern (wobei die Kleinen ein reichhaltiges Repertoire ihres Schimpfwortsprachschatzes aufzeigen), Aufräumaktionen, Spielplatzgestaltung, ... Selbst im Familienurlaub muss er ran. Und nebenbei muss er sich auch noch um seine Kunden kümmern, schließlich kosten Kinder und Familie viel Geld.

Däfler versucht anfangs den Familienalltag mittels Managementmethoden (z. B. 4-Felder-Methode und Kaizen-Methode) und Improvisation zu meistern. Allerdings muss er ziemlich schnell erkennen, dass es auf diese Weise keinen Erfolg geben wird. Zumal die Kinder (Rebecca fünf, Paul acht Jahre alt) noch zu jung dafür sind. Also hilft nur noch eins: Strafandrohungen und (unendliche) Diskussionen.

Martin-Niels Däfler beschreibt in seinem (Tage-)Buch "Das bisschen Haushalt ... Pleiten. Pech und Pannen im Leben eines Hausmanns" auf sehr amüsante Art und Weise, dass Johanna von Koczian nicht wirklich recht hatte mit ihrem Schlager. Tatsächlich handelt es sich nämlich hierbei um einen Fulltime-Job, der volle Aufmerksamkeit benötigt. Demzufolge bleibt der ursprünglich gelernte Beruf teilweise auf der Strecke. Man gewinnt sogar den Eindruck, dass er diesen gar nicht mehr ausführt, denn abgesehen von einem Kundengespräch, das ständig von seinen Kindern unterbrochen wird, erlebt man ihn nie bei der Arbeit. Entweder feilt er in seiner wenigen freien Zeit, die er vormittags für die Arbeit hat (Paul geht schließlich schon zur Schule und Rebecca in den Kindergarten), an seinem Zehn-Punkte-Programm als Hausmann und Familienvater, oder macht Ordnung im Haushalt und versucht Struktur hineinzubekommen. Am Schluss zieht er für sich das Fazit, dass er die Welt nicht verändern wird. Aber er reift mit der tatkräftigen Unterstützung seiner beiden Kinder und sieht für die Zukunft vielleicht nicht mehr alles so eng.

Das Buch ist ein Muss für alle Hausmütter und vor allem -väter sowie alle, die dachten, der Job, in dem man einst arbeitete, sei das härteste, was es gibt. Zumal einem selbst die ein oder andere Situation bekannt vorkommt oder man zumindest mal von solchen Begebenheiten gehört hat. Es wäre schön, wenn es noch mehr solche tapfere und mutige Männer geben würde, die ihren Frauen ermöglichen, Karriere zu machen.

Susann Fleischer
06.10.2008

 
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Das Buch:

Martin-Niels Däfler:
Das bisschen Haushalt ... Pleiten, Pech und Pannen im Leben eines Hausmanns

Bild: Buchcover Martin_Niels Däfler, Das bisschen Haushalt … Pleiten, Pech und Pannen im Leben eines Hausmanns

München: mvg Verlag 2008
227 S., € 14,90
ISBN: 978-3-636-06385-4

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