Ratgeber

... und Sie sind raus!

Für Julia Berger ist aus heiterem Himmel der größte anzunehmende Unfall für jeden Arbeitnehmer eingetreten. Ihre Arbeitsstelle hat die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen und das Projekt, an dem sie zurzeit beteiligt ist, wurde eingestellt. Es hat den Anschein, dass sie damit rechnen muss, nun entlassen zu werden. Besonders nach 15 Jahren Festanstellung bei der gleichen Firma ist dies für Berger ein schwerer Schock. Eingangs macht sie sich noch Hoffnungen, dass die Kündigungswelle, die ihre Firma erfasst hat, sie möglicherweise verschonen könnte - vor allem, weil sie sich noch in der Elternzeit befindet, die mit einem Kündigungsschutz einhergeht. Doch schließlich muss sie erkennen, dass ihre Hoffnungen umsonst waren. Es kommt, was kommen muss, und sie ist gezwungen, den gefürchteten Gang zum Arbeitsamt antreten.

Postwendend beginnt Julia Bergers Leidensweg, der von Existenzängsten, Illusionen, falschen Hoffnungen und Rückschlägen geprägt ist. Am kräftezehrendsten ist für Julia der Umgang mit der geradezu grotesk hochentwickelten Bürokratie des Arbeitsamts und dem schier undurchdringlichen Arbeitsrechtsdschungel: Wie kann sie eine angemessene Abfindung erhalten? Und sollte sie nun den Versuch unternehmen, sich selbstständig zu machen? Sollte sie gegen ihre Kündigung Klage einlegen? Wie kann sie dafür sorgen, dass ihr das Wohlwollen des Arbeitsamts sicher ist? Zum Glück verfügt Julia über eine Rechtsversicherung und kann deswegen von Anfang an auf die Unterstützung eines Anwalts bauen. Doch auch hier offenbaren sich ihr Hürden, mit denen sie zuvor noch nie konfrontiert war ...

Dass "Gefeuert" eins der größten Schreckgespenster unserer modernen Gesellschaft thematisiert, steht unumstößlich fest. Doch die sich hinter dem Pseudonym Julia Berger verbergende deutsche Autorin und Wirtschaftsjournalistin hegt keineswegs die Absicht, ihre Leidensgenossen einzuschüchtern. Vielmehr schickt sich "Gefeuert" an, aufzuzeigen, dass der gefürchtete "blaue Brief" nichts mit der Leistungsfähigkeit im Beruf oder etwa Antipathien zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu tun haben muss. Und eins steht fest: Auch der schwerste Schicksalsschlag bedeutet nicht, dass man die Hoffnung gleich fahren lassen muss.

Zudem scheut sich Julia Berger nicht, zuzugeben, dass sie gelegentlich auch wie ein Negativbeispiel für den Umgang mit ihrer schwierigen Situation agierte. Die Schuld für das misslungene Bewerbungsgespräch hat sie nur sich allein zuzuschreiben und aus ihrer Tendenz, in schwierigen Situationen zu überreagieren, macht sie keinen Hehl. Besagte ungenierte Unperfektheit Bergers erleichtert dem Leser die Identifikation mit der Einheit aus Autorin und Protagonistin noch zusätzlich und trägt zudem zum Unterhaltungswert des Buchs bei. Denn trotz der eher bedrückenden Thematik hält "Gefeuert" den Leser problemlos bei der Stange und erweist sich so als genauso unterhaltsam wie informativ.

Wem der Sinn nach Wissen pur steht, dem wird das abschließende Glossar gute Dienste leisten, denn hier wird ganz ohne überflüssige Schnörkel vermittelt, was jeder "Arbeitssuchende" absolut wissen muss. Ein Ausnahmesachbuch, das jedem Leser, der sich in derselben Situation wie Berger befindet, signalisiert, dass er nicht allein ist.

Johannes Schaack
10.01.2011

 
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Das Buch:

Julia Berger:
Gefeuert. Mein Leben nach der Kündigung

Bild: Buchcover Julia Berger, Gefeuert. Mein Leben nach der Kündigung

München: dtv 2010
240 S., € 12,90
ISBN: 978-3-423-24832-7

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