Autobiographie

Rtselhafter Rpel?

R?pel m?chte Ben Becker nicht genannt werden. Mit Enfant terrible w?re er einverstanden. Wie dann aber den 47-J?hrigen nennen, der sich mit einem Regisseur pr?gelte? Sofern das nicht wieder eine Finte der Medien gewesen ist. Becker ist klug genug, sich nicht als verfolgte Unschuld hin- und darzustellen. Die Liste vermeintlich r?pelhafter Auftritte auf der Lebensb?hne ist lang. Da muss sich der Mann doch mal wehren! Da muss sich der vermeintliche R?pel doch mal r?uspern! 

In dem Ben-Becker-Buch "Na und, ich tanze", redet Becker, frisch von der Leber weg, wie sein bisheriges Enfant-terrible-Leben war. Ein Leben, wie die Medien auch emsig berichteten, dass vor vier Jahren auf der Kippe stand. Der Schauspieler sagt, gleich zu Beginn des Buches, dass man den Tod zwar spielen kann, doch nicht mit dem Tod spielen sollte. Beherzigt hat er das nicht. Der Tod wollte Becker nicht. Noch nicht! Der K?nstler nimmt das Leben wichtig. Er nimmt sich wichtig. Das muss er auch. Sonst w?re das Buch gar nicht n?tig gewesen, obwohl es Stoff f?r mehrere Leben bietet. Nicht unbedingt den Stoff, der ?ffentlich breitgetreten werden muss. Aber Ben Becker ist nun mal Ben Becker. Und der hat mehr auf der Pfanne als r?pelhafte Geschichten. 

Unterhalter, der er immer sein will und sein muss, l?sst er die Leser des Buches nicht im Stich. Er sabbelt und sabbelt und sabbelt, um es im Becker?schen Sprachstil zu sagen. Wer ihn kennt, h?rt ihn. Seite f?r Seite. H?rt die Forschheit, die Frechheit. Auch die Besessenheit des K?nstlers, die manchmal eben nicht zu bremsen ist. Die Texte haben etwas Frisches, Unverhohlenes, Aufrichtiges. Becker hat nicht nur was auf der Pfanne. Gelegentlich haut er sich in die Pfanne. Das muss die Leser nicht unbedingt f?r die Person einnehmen. Wohl aber f?r die Unmittelbarkeit des Buches. Dessen Texte wurden von dem Co-Autor Fred Sellin beckergerecht eingerichtet. Also ist Becker drin, wo Becker draufsteht. 

In seiner Gesamtheit ist der autobiographische Bericht "Na und, ich tanze" das unfertige Produkt eines Unfertigen. Das Buch ist die Sammlung von Szenen eines Menschen, der seit Kindesbeinen s?chtig nach Leben ist. Becker sucht sich, was ihn nicht von anderen Menschen unterscheidet. Wo und wie er sucht, das unterscheidet ihn von Anderen. Vor allem sucht er sich als Star, der er sein will. Weil er will, dass seine Kunst gilt, f?r die er lebt, durch die er lebt. Als Darsteller ebenso wie als Rezitator und Rock-S?nger. Jeder Show schenkt Becker sich, wie jede Show ein Geschenk an das Publikum ist. Wenn die Show stimmt, stimmt das Leben. Selbst dann, wenn nicht alles stimmig ist. F?r Becker ist das Unstimmige ebenso akzeptabel wie das scheinbar Stimmige. Mit dem Stimmigen hat er es nicht so. In der Show wie im Leben. 

Wie auch anders f?r einen "unerwachsenen" Erwachsenen, der bekennt, "dass ich meinen Spa? haben will"? Einer, der sein Leitmotiv zudem mit der Bemerkung festklopft: "Alles andere kommt dahinter." Von diesem stabilen Ego vorangetrieben - und manchmal an den Rand, der Abgrund hei?t - hat Becker manche H?hen k?nstlerischen Seins erklommen. Und steht heute wo? Kritisch, vor allem selbstkritisch, kr?ftig mit Selbstironie gew?rzt, gibt Ben Becker in "Na und, ich tanze" vieles von Ben Becker preis. Mehr als er meint und glaubt preisgegeben zu haben. Psychoklempnern, die er nicht mag, wird der Selbstbericht ein reines Vergn?gen sein. Und auch Becker selbst, der wei?, was er nicht preisgegeben hat. Sch?digt sich der K?nstler selbst durch seine Offenheit, so besch?digt er sich nicht. Und schon gar nicht die Menschen, die um ihn sind. Ben Becker ist kein Heiliger. Das ist besser als w?re er ein Scheinheiliger. Nicht schlecht, so einem einmal zuzuh?ren. 

Bernd Heimberger 
31.10.2011

 
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Das Buch:

Ben Becker, Fred Sellin: Na und, ich tanze

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Mnchen: Droemer Verlag 2011
512 S., 22,99
ISBN: 978-3-426-27536-8

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