Autobiographie

Verklärung verhindern

Im Schlussteil ihrer Lebensschilderung sagt Henny Brenner, weshalb sie immer wieder nach Dresden kommt. Die in Dresen Geborene will Dresdnern Schüler erzählen, wie ihre Kindheit und Jugend in Dresden war. Es war das Leben eines Mädchens, dessen Mutter aus einer jüdischen Familie russischer Herkunft kam. Es war das Leben der ab 1933 immer entschiedener Ausgrenzungen, Entrechteten, Entwürdigten, die feststellten: "Ausschwitz... überstieg unsere Vorstellungskraft". Der Deportation, die für den 16. Februar 1945 festgelegt war, entgingen Mutter und Tochter durch die Zerstörung der Stadt am 13./14. Februar.

Der Tod, das Leid der Vielen war das Glück der Wenigen. Das heißt vor allem der wenigen noch in der Elbestadt lebenden Juden, von denen einige Dutzend ebenfalls Opfer der totalen Bombardierung wurden. Was die Tochter eines "arischen" Kinobesitzers in ihrem Buch "Das Lied ist aus. Ein jüdisches Schicksal in Dresden" berichtet wird wohl niemand verblüffen. Ausgenommen die Generation der heutigen Schüler. Insbesondere für sie hat Henny Brenner ihre private, persönliche Schicksalsgeschichte geschrieben. – Nicht mit Victor Klempereres Tagebüchern zu vergleichen, sind die Aufzeichnungen der Autorin in manchen Detailschilderung so genau wie die Notate Klemperers. So privat und persönlich die Mitteilungen meist sind, stets sind sie auch politische Zeitzeugnisse.

Daß sie keine Verklärung des Nazireiches zulassen ist selbstverständlich. Nicht verleugnet werden die körperlichen, geistigen, moralischen Gewalten, denen jüdische Menschen im Zivilen Alltag des Dritten Reiches ausgesetzt waren. Brenners Worte sind Worte wider Verklärung und Verleugnung. Sie sind Worte der Verehrung. Die Ehre, so Henny Brenner, gebührt den vielen Ehepartnern, die zu ihrer jüdischen Frau, ihrem jüdischen Mann hielten. Sie gebührt allen, die jüdischen Menschen halfen, in Deutschland zu überleben. Brenners Blick zurück ist ein aktueller Appell, der die tägliche Zivilcourage fordert wie die Anerkennung der Couragierten. Mit dem Buch "Das Lied ist aus" steht Henny Brenner selbst in der Reihe der beispielgebenden Couragierten.

Bernd Heimberger
04.09.2005

 
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Das Buch:

Henny Brenner:
Das Lied ist aus.

Bild: Buchcover Henny Brenner, "Das Lied ist aus". Ein jüdisches Schicksal in Dresden.

Dresden: Ddp Goldenbogen 2005
108 S.
ISBN: 3-93243-4250

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