Autobiographie

Der Letzte seiner Art

Er war der letzte Innenminister der DDR, dessen Amtszeit nur 174 Tage w?hrte, und ist heutzutage als erfolgreicher Rechtsanwalt t?tig, der oft mit spektakul?ren F?llen von sich reden macht - das soll Peter-Michael Diestel erst einmal jemand nachmachen. Dass Diestel gelernter Melker ist und sich unter anderem als Schwimmlehrer und Bademeister verdingte, bevor er seine politische Karriere begann, geh?rt jedoch mit Sicherheit nicht zur Allgemeinbildung. 20 Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit soll "Diestel. Aus dem Leben eines Taugenichts?" nun der ?ffentlichkeit ein Bild davon liefern, wer der erste und letzte demokratisch gew?hlte DDR-Innenminister wirklich war.

Zusammen mit seinem Co-Autor Hannes Hofmann hat Diestel einen beachtlichen Fundus an Material zusammengetragen, der auch Diestel-Neulingen problemlos begreiflich machen sollte, was f?r eine schillernde und oftmals eigenwillige Pers?nlichkeit am 18. M?rz 1990 den Sprung in die politische Elite der DDR schaffte. "Diestel. Aus dem Leben eines Taugenichts?" beginnt mit einem "Diestel-Hymnos mit zehn Stimmen", sprich mit zehn Kommentaren ?ber den Mann mit der genauso kurzen wie eindrucksvollen Politkarriere - von Lothar de Maizi?re bis zu Udo Beyer, dem ehemaligen Kapit?n der DDR-Leichtathletik-Nationalmannschaft. 

Hierauf folgen ?ber 200 Seiten voller Anekdoten aus der wohl aufregendsten Zeit in Diestels Leben. Was empfand er am Tag seiner Berufung zum Minister? Wie nahmen seine Untergebenen auf, dass sie nun der Befehlsgewalt eines oftmals nonchalanten und gerne aneckenden politischen "Greenhorns" unterstanden? Was waren Diestels Erfahrungen mit der Stasi und den "Schlapph?ten", sprich dem Geheimdienst der DDR? Und was f?hlte er an dem Tag, an dem nicht nur sein Posten als Innenminister, sondern auch das gesamte DDR-Regime der Vergangenheit angeh?rte? "Diestel. Aus dem Leben eines Taugenichts?" liefert die Antworten auf all diese Fragen mit hohem Unterhaltungswert und einem geh?rigen Schuss Humor. Zahlreiche der Episoden aus Diestels reichem Erinnerungsschatz sind zudem betont skurril, so wie sein unverhofftes Zusammentreffen mit dem ber?chtigten "Ibrahim B?hme" in einem "stillen ?rtchen", das mit Sicherheit zu den absoluten H?hepunkten des Buchs z?hlt.

Wer sagt, dass Autobiographien eine langatmige und stets bierernste Angelegenheit sein m?ssen? Schon beim Lesen der ersten Seiten von "Diestel. Aus dem Leben eines Taugenichts?" wird der spritzig-humorvolle Stil deutlich, mit dem die Erinnerungen des letzten Innenministers der DDR-Geschichte pr?sentiert werden - und das ungeachtet, ob Diestel die H?hen oder die Tiefen seiner kurzen Politkarriere Revue passieren l?sst. Auch eigentlich betont ernste Themen aus Diestels mehr als kurzer Amtszeit erhalten so einen markant unernsten Anstrich und werden so ein Garant f?r beste Unterhaltung. Das Ergebnis ist ein Lesevergn?gen ohne jede L?ngen, das quasi nebenbei als reizvolles Zeitdokument fungiert, so dass auch der hartgesottenste Autobiographiemuffel damit rechnen muss, hier schwach zu werden. Alle Diestel-Fans d?rfen so getrost zuschlagen und Liebhaber humorvoller Ostalgie sowieso.

Johannes Schaack
18.10.2010

 
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Das Buch:

Peter-Michael Diestel, Hannes Hofmann: Diestel. Aus dem Leben eines Taugenichts?

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Berlin: Verlag Das Neue Berlin 2010
239 S., 16,95
ISBN: 978-3-360-01998-1

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