Autobiographie

Advantage, Service, Fault, Break, Love - das Leben einer Tennislegende

Acht Grand-Slam-Titel, 60 Siege in Einzelturnieren, eine olympische Goldmedaille und drei Daviscup-Siege pflastern den Weg von Andre Agassi. Nicht umsonst wird er als einer der besten Tennisspieler aller Zeiten aufgeführt. Der Weg an die Spitze der Weltrangliste bedeutete für Agassi nicht nur langjähriges hartes Training, sondern zudem den Verlust einer unbekümmerten Kindheit. Und auch später fand er kaum einen Moment der Ruhe in seinem hektischen Leben. In "Open. Das Selbstporträt" lässt Agassi sein Leben nun Revue passieren und den Leser daran teilhaben.

Bereits mit sieben Jahren steht Agassi auf dem Tennisplatz, wo er täglich 2500 Bälle schlagen muss. Zum täglichen Drill kommt die Lieblosigkeit des Vaters hinzu, der seinen Sohn zum Erfolg pushen will - selbst, wenn es auf Kosten der Gesundheit geht. Obwohl Agassi den Erfolgsdruck hasst, ergibt er sich dennoch dem Willen seines Vaters und kämpft. Mit der Aufnahme in die Tennisakademie von Nick Bollettieri - berüchtigter Tennistrainer von Größen wie Jim Courier, Tommy Haas, Monica Seles, Anna Kurnikowa und Boris Becker - beginnt für Agassi eine neue Etappe auf dem Weg zur Tennislegende. Dort fühlt sich der 13-jährige Jungspund wie in einem Gefängnis, einsam und verlassen. Der einzige Ausweg für Agassi ist der der Auflehnung: Er trägt Ohrringe, hat lange Haare und kleidet sich wie ein Punk. Das Bild des Rebells prägt die ersten Jahre seiner Karriere.

Als 16-Jähriger beginnt Agassi 1986 seine Profikarriere: Er spielt bei den ersten Turnieren, kann erste Gewinne verzeichnen, muss aber auch Niederlagen hinnehmen. In der Weltrangliste klettert er beharrlich nach oben - 1986 ist er noch auf Rang 91, zwei Jahre später schon auf Platz 3. Sein Aufstieg wird rapide gestoppt, als er in der Folgezeit Konkurrenten wie Ivan Lendl, Andrés Gómez, Pete Sampras und Jim Courier unterliegt. Aber so schnell gibt Agassi nicht auf - er kämpft und schafft 1992 seinen endgültigen Durchbruch: In Wimbledon siegt er gegen Boris Becker, John McEnroe und Goran Ivanisevic, die zu den Besten der Besten zählen. Über Nacht steigt er zum Star auf und wird zum Medienmagneten. Fünf erfolgreiche Jahre zieren seinen Weg, bis er 1997 karrieretechnisch abstürzt. Es folgen zwei Jahre ohne Tennis, aber mit einer turbulenten Ehe mit der Schauspielerin Brooke Shields, die ihm die Aufmerksamkeit der Medien garantiert.

Was man nicht für möglich hielt, tritt 1999 schließlich ein: Agassi steht wieder auf dem Centre Court und verblüfft die Öffentlichkeit mit einem einzigartigen Comeback. Für ihn soll es das erfolgsreichste Jahr seines Lebens sein: Er gewinnt die French Open und die US Open und ist damit der insgesamt fünfte Tennisspieler der Geschichte, der alle vier Grand-Slam-Titel in seiner Karriere mindestens einmal gewinnen konnte. Und ihm gelingt etwas Unvorstellbares: Er gewinnt drei Jahre hintereinander (2000-2002) die Australian Open. Und auch privat findet er sein Glück, mit der ehemaligen Tennisspielerin Steffi Graf.

Ähnlich wie sich Andre Agassi auf dem Cover präsentiert, gestaltet sich seine Autobiographie "Open. Das Selbstporträt": ungeschminkt, ehrlich, offen. Er erzählt nicht nur von seinen grandiosen Tenniserfolgen und niederschmetterndsten Niederlagen, sondern lässt den Leser an seinem intimsten Privatleben teilhaben - beinahe so, als wäre dieser ein enger Freund der Familie, der mit Agassi im Kreise seiner Liebsten und bei einem Gläschen Rotwein vertrauliche Stunden verbringt. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, wenn er von seinem herrischen Vater erzählt, von inzwischen überwundenen Drogenproblemen berichtet und seine Matches wiedergibt, als hätten sie erst gestern stattgefunden.

Neben dem autobiographischen Aspekt erhält der Leser einen kurzen Einblick in das Leben anderer großer Persönlichkeiten wie Pete Sampras, Jim Courier, Boris Becker und Roger Federer, aber auch von Showpromis wie Barbra Streisand und Brooke Shields. Man fühlt sich beim Lesen an einen temporeichen Film erinnert - so plastisch und packend erweckt Agassi seine Vergangenheit erneut zum Leben. Mit "Open" werden selbst Tennis-Abstinenzler ähnlich kurzweilige Stunden verleben wie bei einem guten Roman. Spiel, Satz und Sieg für Agassi!

Susann Fleischer
21.12.2009

 
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Das Buch:

Andre Agassi:
Open. Das Selbstporträt. Aus dem Amerikanischen von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann

Bild: Buchcover Andre Agassi, Open. Das Selbstporträt

München: Droemer Verlag 2009
608 S., € 22,95
ISBN: 978-3-426-27491-0

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