Autobiographie

Viel vom Journalisten Bednarz, aber wenig über den Journalisten

Ein Etikettenschwindel - und das von einer deutschen Journalistenlegende? Der Monitor-Mann und Osteuropa-Kenner Klaus Bednarz ziehe in seinem neuen Buch "Ferne und Nähe" Bilanz über 40 Jahre journalistische Arbeit, heißt es im Klappentext. Nein, das tut er nicht - hier wird eine Anthologie, ein "Best of Bednarz" geboten. Doch etwas Neues hat der 66-Jährige für die knapp 500 Seiten unter seinem Namen nicht geschrieben.

Dementsprechend enttäuschend wirkt der Band zunächst - erhofft sich der Leser doch spannende Einblicke. Nicht in Bednarz' Privatleben, denn da hält der 1942 in Berlin Geborene sich bekanntlich schon immer zurück. Aber doch Aufschluss darüber, warum Bednarz die Journalisten-Laufbahn einschlug. Wie er zum Mahner wurde, sei es mit dunkelblauem Pullover und ernstem Blick bei Monitor oder in seinen Tagesthemen-Kommentaren.

Nein, dieser Band beschreibt nicht das Journalistenleben "hinter den Geschichten". Aber trotzdem: Es ist beeindruckend und lehrreich zugleich, welche Themen- und Formenvielfalt Klaus Bednarz in mehr als 40 Jahren vereint hat. Und zumindest sind einige Texte erstmals hier abgedruckt. Wenn er die kleinen Holzhäuser am "kältesten Punkt der Erde", im russischen Werchojansk, beschreibt. Eine unscheinbare Siedlung, doch 1979 muss Bednarz zittern, ob er als westlicher Journalist überhaupt eine Drehgenehmigung erhält. Das sind Geschichten eines Journalisten, der sich mitten im Kalten Krieg viel traut und versucht, eine ehrliche Sicht über die Lebenswirklichkeit hinter dem "Eisernen Vorhang" zu zeigen.

Über den Journalisten offenbart nur ein Text von 1981, in dem Bednarz über sein Leben als Auslandskorrespondent schreibt. "Wer glaubt mir heute schon, dass ich 1967 durch einen einfachen Anruf aus einer öffentlichen Telefonzelle zum Redakteur beim Fernsehen wurde?", fragt der damalige Moskau-Korrespondent. Aber er wurde es, arbeitete mit anderen Legenden wie Werner Höfer, wurde 1971 als 29-Jähriger Auslandskorrespondent in Warschau. Nach Polen und Russland folgten verschiedenste Stationen, schließlich seine wohl bekannteste, die Moderation von "Monitor".

Bednarz ärgerte mit diesem Job wie mit bissigen Kommentaren, etwa in den "Tagesthemen". Solche Momente sind freilich abrufbar in diesem Band - etwa der vom 1. Juni 1993, als Bednarz nicht nur den tatsächlichen Brandstiftern auf ein Haus in Solingen die Schuld gab. Sondern auch "jenen politischen und publizistischen Biedermännern, die seit Monaten und Jahren die sogenannte Ausländerdebatte angeheizt haben." Doch hier vermisst der Leser die Einordnung, die Hintergründe und vielleicht auch die Gefühle Bednarz', als er solche und ähnliche journalistische Momente erlebte.

Wirklich nahe kommen wir Bednarz im Nachwort vom ZEIT-Journalisten Volker Ullrich (der auch als Herausgeber fungiert). Er schreibt den journalistischen Lebenslauf Bednarz': von ersten Artikeln in der westfälischen Tageszeitung "Die Glocke" über Interviews mit Heinrich Böll bis zum Reisereporter Bednarz, der heute noch durch Osteuropa reist. Ullrich bescheinigt seinem Kollegen, zu "einer moralischen Instanz" geworden zu sein, "wie es sie unter den deutschen Journalisten nur wenige gibt." Womit er dazu wurde, darüber steht im neuen Bednarz viel.

Johannes Wagemann, dpa
23.03.2009

 
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Das Buch:

Klaus Bednarz:
Ferne und Nähe. Aus meinem Journalistenleben

Bild: Buchcover Klaus Bednarz, Ferne und Nähe

Hamburg: Rowohlt Verlag 2009
496 S., € 22,90
ISBN: 978-3-498-00635-8

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