Autobiographie

Baby-Stress und Glücksmomente - Ein Vater erlebt drei kleine Racker

Da sitzt der Papa auf dem stillen Örtchen und überlegt: Muss er den drei kleinen Töchtern, die vor der Tür poltern, überall Zutritt gewähren - also auch hier? Ist das jetzt der Machtkampf zwischen Kindern und Eltern, der Weichen stellt fürs ganze Leben? Der grübelnde Vater heißt Dieter Bednarz. Kurz vor seinem 50. Geburtstag bekamen seine Frau Esther und er Zwillinge. Aus trauter Zweisamkeit wurde ein Vierer-Chaos-Club. Bis die dritte Tochter daraus einen flotten Fünfer machte. Der Hamburger Journalist stieg zeitweise aus Job und Karriere aus. Windeln wechseln, Brei rühren und der Kampf gegen Schreianfälle - so sah sein Tag aus. Was er dabei fühlte, schrieb Dieter Bednarz auf. «Überleben an der Wickelfront» heißt sein Bekenntnis-Buch, das ehrlich klingt - und überhaupt nicht dröge. Denn Bednarz schreibt mit Humor und Selbstironie.

Mehr Paare als früher bekommen ihre Kinder erst, wenn sie älter sind. Manche Väter - so wie Bednarz - könnten im Zweifel für die Opas der Kleinen gehalten werden. Gleichzeitig steigt die Zahl der Papas, die im Job pausieren, um Babys zu umsorgen. Auch wenn die wenigsten Männer bisher länger als zwei Monate zu Hause bleiben: Die neue Elternzeit-Regelung der CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen zeigt Wirkung. Und für das Bednarz-Buch macht die Politikerin selbst auch Werbung.

Die beiden Trends - zu älteren Eltern und Männern am Wickeltisch - verbindet der Journalist Bednarz zu einer persönlichen Bestandsaufnahme. Welches sind die besten Jahre im Leben? Die ersten Jahre mit Kindern sind es nicht, urteilt er. Trotz aller Liebe für sein Dreierpack.

Außerdem erzählt der Autor offen von einem anderen Trend-Thema: der Zeugung von Kindern im Labor. In Rückblenden nimmt er den Leser mit zu Ärzten. Er schildert den Weg in die Paar-Krise - bis zum erlösenden «Es hat geklappt!». Anders als die vielen Erziehungsratgeber, die gerade boomen, gibt Dieter Bednarz keine Tipps. Er zeigt aber, dass ein älterer Vater die Bücherberge fast sämtlich gelesen hat.

Der Ich-Erzähler referiert in längeren Strecken die Kernthesen anderer Autoren. Manchen Leser mag das stören - zumal viele Berichte aus dem «Spiegel» erwähnt sind, wo Bednarz arbeitet. Doch er erzählt auch, dass Bücherwissen im Familien-Alltag nur begrenzt nützt. Konsequent sein, dass würde der reife Vater zwar gerne. Aber Stress, Ohnmachtsgefühle, Zoff zwischen Mama und Papa über die richtige Erziehung und der starke Wille der süßen Kleinen machen ihm dicke Striche durch die schöne Theorie-Rechnung...

Petra Kaminsky, dpa
16.02.2009

 
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Das Buch:

Dieter Bednarz:
Überleben an der Wickelfront. Vom Elternglück in den besten Jahren

Bild: Buchcover Dieter Bednarz, Überleben an der Wickelfront.

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2009
236 S., € 17,95
ISBN: 978-3-421-04388-7

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