Autobiographie

Halima - ein Frauenschicksal in Darfur

Die Geschichte, die Halima Bashir in ihrem Buch beschreibt, ist ungewöhnlich: Geboren in einem Wüstendorf der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur, hat sie dank eines liebevollen und bildungshungrigen Vaters nicht nur die Chance, die Schule zu besuchen, sie absolviert sogar als erste Frau ihres Stammes ein Medizinstudium. Die junge Ärztin wird, eher gegen ihren Willen, in den Konflikt in ihrer Heimat verstrickt, erlebt die Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung.

Als Halima nach der Vergewaltigung von Schulmädchen mit internationalen Helfern über das Geschehene spricht, wird sie selbst Opfer von Gewalt, wird gefoltert und von Sicherheitspolizisten vergewaltigt. Nur die Flucht ins Ausland verschafft ihr Sicherheit, doch das ungewisse Schicksal ihrer Familienangehörigen wirft auch im Exil einen ständigen Schatten auf ihr Leben.

Dieser Teil von Halimas Geschichte ist leider keineswegs ungewöhnlich. In Darfur, und nicht nur dort, werden Frauen Opfer sexueller Gewalt, wird Vergewaltigung gezielt als Kriegsmittel eingesetzt, um die «feindliche» Bevölkerung zu terrorisieren und zu demütigen.

Die Lebensgeschichte der schwarzafrikanischen Ärztin, die sich trotz aller Vorurteile ihrer meist arabischstämmigen Lehrer den Weg zum Hochschulstudium erkämpft, der Kontrast zwischen ihrer traditionell-dörflichen Herkunft und der Lebensweise in Khartum, nicht zuletzt der Konflikt in Darfur, das wäre eigentlich die Garantie für ein spannendes, vielschichtiges Buch. Bashirs Ko-Autor Damien Lewis, der die Lebensgeschichte Halimas unter dem etwas reißerischem Titel «Mein Weg aus der Hölle von Darfur» verfasst hat, hat diese Chance leider verpasst.

Lewis ist bereits Ko-Autor des Buches «Die Sklavin» über das Schicksal einer anderen afrikanischen Frau, und beim Lesen von «Halima» kommt der Eindruck auf, hier sei mit schneller Feder an einem weiteren Buch über das Leid afrikanischer Frauen geschrieben worden - mit rechtschaffener Empörung über das Unrecht, das Halima zugestoßen ist, aber ohne Reflektion, ohne den Leser mit Hintergrund und Analyse zu belasten, nach einem Schwarz-Weiß-Muster, in dem es nur gut oder böse gibt.

Die Charaktere, einschließlich Halimas, bleiben holzschnittartig, ohne Tiefe. Halima ist stets die Beste, die Mutigste, die Einzigartige. Keine Zweifel, keine inneren Konflikte, keine größere Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne. Die arabischstämmigen Sudanesen werden nahezu ausnahmslos als rassistisch und missgünstig dargestellt. Im Vordergrund steht das persönliche Schicksal, der Hintergrund des politischen Konfliktes bleibt seltsam vage.

Eva Krafczyk, dpa
27.10.2008

 
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Das Buch:

Halima Bashir, Damien Lewis:
Halima. Mein Weg aus der Hölle von Darfur

Bild: Buchcover Halima Bashir, Damien Lewis, Halima. Mein Weg aus der Hölle von Darfur

München: Droemer Verlag 2008
405 Seiten, € 19,95
ISBN 978-3-426-27450-7

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