Autobiographie

Karlheinz Böhm-Autobiografie: 80 Jahre Suchen, Werden, Finden

Er war das Kind berühmter Eltern. Karlheinz Böhm kam am 16. März 1928 als Sohn des international gefeierten Dirigenten Karl Böhm und der Sopranistin Thea Linhard in Darmstadt zur Welt. Fluch oder Segen? Wohl beides, bekennt der einst gefeierte Schauspieler in seiner Autobiografie «Mein Leben - Suchen Werden Finden», die jetzt anlässlich seines 80. Geburtstages am 16. März von der Collection Rolf Heyne herausgebracht wurde. Heute blickt Böhm gelassen auf die Jahre zwischen Leinwand und Bühne sowie mit verschiedenen Frauen zurück. Er hat seine Erfüllung gefunden - in seiner Äthiopienstiftung «Menschen für Menschen» und an der Seite seiner vierten Frau Almaz. Dies aber vor allem auch dank seiner größten Filmerfolge als Kaiser Franz Joseph von Österreich in der «Sissi»-Trilogie, wie er bekennt.Für den sensiblen Jungen war es sicher keine einfache Kindheit, wenn es ihm auch zumindest materiell an nichts fehlte. Das Familienleben rankte sich um den berühmten Vater. Die Mutter verzichtete seinetwegen auf eine eigene Karriere. Es waren emotionale Defizite, die Böhm zusetzten. Der 80-Jährige, der im Rückblick seinen Eltern eine tiefe Zuneigung unbedingt zugesteht, vermisste lange Jahre allerdings eine undistanzierte Herzlichkeit, Berührungen, Umarmungen - das An-sich-Heranlassen.   

Für seine Ehen waren diese Erfahrungen fatal, gesteht Böhm heute.Er baute sein Familienleben nach diesem Muster auf - ein Scheitern war jeweils vorprogrammiert. Zu den fünf Kindern, die aus diesen Verbindungen hervorgingen, hatte Böhm wenig Kontakt. «Meine ersten drei Ehen mussten scheitern, denn ich war nicht in der Lage, Liebe zu geben«, schreibt er in seiner Autobiografie.   

Die Wende im privaten wie im beruflichen Leben kam 1981. Ein Fernsehbericht über die Hungerkatastrophe in der afrikanischen Sahelzone war für Böhm der Auslöser. Er nutzte die nächstbeste Gelegenheit, um auf das Elend hinzuweisen: in der ZDF-Sendung «Wetten, dass...?». Das war die Geburtsstunde eines neuen Karlheinz Böhm - und der Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte. Zwei Jahre später gründete Böhm die Stiftung «Menschen für Menschen».

Dabei vergisst der frühere Schauspieler nie, dass sein neues Leben ohne «Sissi» so wohl nicht möglich gewesen wäre. «Nur dank der enormen Popularität und Beliebtheit, die ich mit den drei "Sissi"-Filmen erreicht hatte, konnte es mir 1981 gelingen, die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit auf die Situation in Afrika zu lenken», schreibt er. Überhaupt hatte Böhm nie die großen Probleme mit der Trilogie über das österreichische Kaiserhaus wie seine Filmpartnerin: «Romy Schneider hat Zeit ihres Lebens unter "Sissi" gelitten. Ich habe mich schon lange mit diesen Filmen ausgesöhnt.» Abstand hat er auch längst zu einer beruflichen Flaute, als er zeitweise als 40-Jähriger nicht mehr gefragt war, später aber von Regisseur Rainer Werner Fassbinder wieder entdeckt wurde.   

Aus seiner Aufgabe als Gründer, Organisator und Bewahrer von «Menschen für Menschen» schöpft der 80-Jährige die Kraft für weitere Projekte in Afrika, wie Bildungsprogramme oder seinen Kampf gegen die Genitalbeschneidung von Mädchen. Was Böhm in den 25 Stiftungsjahren schuf, trug ihm die äthiopische Ehrenstaatsbürgerschaft ein. Alles, was der großartige Mensch Karlheinz Böhm darüber, über sein Leben in der Vergangenheit und einer noch möglichst lange währenden Zukunft zu sagen hat, ist nun in seiner Autobiografie nachzulesen - wunderbar zurückhaltend niedergeschrieben von der Journalistin Beate Wedekind.«Mein Leben - Suchen Werden Finden» ist eine bemerkenswerte Neuerscheinung auf dem Büchermarkt - auch wegen der rund 300, teilweise bisher noch unveröffentlichten Fotos.

Frauke Kaberka, dpa
17.03.2008

 
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Das Buch:

Karlheinz Böhm:
Mein Leben - Suchen, Werden, Finden. Aufgezeichnet von Beate Wedekind

Bild: Buchcover Karlheinz Böhm, Mein Leben - Suchen Werden Finden

München: Collection Rolf Heyne 2008
450 S., € 75,00
ISBN: 978-3-89910-383-0

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