Medien & Gesellschaft

Josef Bordat: Credo. Wissen, was man glaubt

Das neue Buch von Josef Bordat wird jedem Leser seines Weblogs "Jobo72" vertraut vorkommen. Das heißt nicht, dass der Verfasser lediglich dort bereits Gesagtes nun wieder aufgreift, sondern dass seine Ausführungen auf demselben Impuls beruhen und mit dem gleichen Scharfsinn zentrale Überzeugungen des katholischen Glaubens auf deren wesentliche Gesichtspunkte zurückführen. Selbstverständlich wehrt er hier wie sonst modische Gemeinplätze ab und sperrt sich gegen die vielen selbstverständlich gewordene Tendenz, die christliche Botschaft so weit wie möglich auf die besonders von den Medien kolportierten Gemeinplätze zu reduzieren. Diesem Trend folgen heute in Deutschland vielfach leider auch theologische Fachleute oder Funktionsträger der Kirche. Der überragende Zuspruch, dessen sich Bordats Weblog "Jobo72" erfreut, dokumentiert die Nachhaltigkeit seines Bemühens, dessen brennende Aktualität die vielen Beschimpfungen, ja die Morddrohungen gegen deren Autor bestätigen. Erstaunlicherweise meint der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, er könne diese Seite unseres Katholizismus bzw. die Verfasser von solchen sich für den Glauben engagierenden Blogs ignorieren. Ich sehe das anders!

Bordats Erörterungen über das Glaubensbekenntnis habe ich wie einen spannenden Roman an einem Stück gelesen. Genügt es folglich, statt einer ausgiebigen Besprechung eine knappe Lektüreempfehlung zu geben? Für den Rezensenten wäre dies die einfachste Lösung. Doch möchte ich mich ausgiebiger mit dem Buch befassen, nicht nur weil es eine genaues Hinsehen verdient, sondern besonders deshalb weil es nach meiner Überzeugung nicht selbstverständlich hingenommen werden sollte, dass ein Laie sich heute auf diese Weise mit dem Credo, dem Glaubensbekenntnis der katholischen Kirche, befasst, dessen Wortlaut weithin mit dem der protestantischen Kirche identisch ist. Bordat nimmt diese Übereinstimmung der Glaubenssätze nicht zum bequemen Anlass, in den von manchen betriebenen oberflächlichen Ökumenismus eizustimmen. Solche Parolen sind nicht mit seinem Bemühen zu vereinbaren, zu den eigentlichen, tieferen Schichten dieses knappen Textes vorzudringen.

Beginnen wir mit dem Hinweis auf etwas, was nicht selbstverständlich erscheinen mag, dass nämlich bisher die Deutung des Glaubensbekenntnisses ein vorzügliches Anliegen von Theologen war. Die zwei größten Theologen des 20. Jahrhunderts, Henri de Lubac (1896-1991) und Hans Urs von Balthasar (1905-1988) haben sich in Publikationen mit dem Credo beschäftigt. Das Büchlein Credo. Meditationen zum apostolischen Glaubensbekenntnis ist 1989 postum nach dem Tod von Hans Urs von Balthasar sozusagen als Summe seiner theologischen Vorstellungen erschienen. 1975 hatte Balthasar zusammen mit Auguste Schorn das umfangreichere Werk seines Freundes Henri de Lubac Credo. Gestalt und Lebendigkeit unseres Glaubensbekenntnisses in Deutsche übersetzt und in seinem Johannes Verlag veröffentlicht. Bordat erwähnt beide Deutungen nicht. Will er sich damit von ihnen distanzieren? Ich denke nicht, denn er möchte gar nicht mit den Fachvertretern von Theologie konkurrieren. Deshalb sucht er sich den "bekannten Glaubenswahrheiten philosophisch" (7) anzunähern, und beginnt mit dem Thema "Glaube und Wissenschaft", um fragwürdige Forderungen szientistischer Zeitgenossen zu entkräften. Er beruft sich auf eine bildhafte Analogie von Robert Spaemann, dem zufolge Gott sich zu der von ihm geschaffenen Natur "wie ein Projektor zum Film" (22) verhält. "Selbst wenn es ein Film über die Herstellung und Verwendung von Filmprojektoren ist, kommt dieser Projektor, der diesen Film ausstrahlt, nicht in diesem Film vor" (22f). Dieser Vergleich ist einleuchtend. Bordat versteht es folglich, seine Argumentation gut nachvollziehbar zu gestalten, eine Qualität, die alle Kapitel seines Buches kennzeichnet.

Vor lauter Freude über diesen Vorzug, möchte ich mir nicht den Hinweis auf andere Veröffentlichungen versagen, die in diesem Zusammenhang hätten erwähnt werden können. Dazu gehört ein in sieben Sprachen übersetztes Standardwerk der Wissenschaftstheorie, Kritik der wissenschaftlichen Vernunft (42002) von Kurt Hübner, der mir seinerzeit Ich denke, also glaube ich (2008) von Markus von Hänsel-Hohenhausen zur Lektüre empfahl, weil er darin er seine Intentionen als Wissenschaftstheoretiker bestens wiedererkannte. Nun ginge man in der Annahme fehl, Bordat kenne diese Werke nicht, denn er hat das Buch von Hänsel-Hohenhausen sehr zustimmend rezensiert. Warum erwähne ich dann diese beiden Werke? Weil deren Fehlen Folgerungen für die Zielsetzung des Verfassers ermöglichen. Bordat versagt sich das ehrgeizige Projekt, mit den Großen der Wissenschaftstheorie zu konkurrieren. Dagegen stellt er eigens heraus, dass das Glaubensbekenntnis "ein dichter, anspruchsvoller Text von tiefer Weisheit" (7), keine bloße Ansammlung von Lehrsätzen ist. Diese Überzeugung teilen auch die beiden oben genannten Theologen. Angesichts von Grundsatzerklärungen, die neuerdings von einer Mehrzahl deutscher Theologieprofessoren unterschrieben werden, fragt man sich, ob nun nicht das Bekenntnis eines Laien für Gläubige wichtiger geworden ist als die Reformvorschläge der Fachvertreter. Diese verstehen sich progressiv, wärmen aber vielfach nur Gedanken auf, die mir bei der literaturwissenschaftlichen Beschäftigung der Auseinandersetzung ihrer Vorgänger mit der Aufklärung an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert begegnet sind.

Wer sich zunächst mit dem Grundanliegen des Autors vertraut machen möchte, sollte seine Lektüre mit dem Kapitel "Was ist ein Bekenntnis?" beginnen, das auf die Auslegung des Credo folgt. Es ist als Fortsetzung des knappen Vorworts zu betrachten und hat mich sehr beeindruckt. Darin sagt er: "Ich wünsche mir, daß alle Menschen in der katholischen Kirche die Freude und Geborgenheit finden, die ich darin gefunden habe und immer wieder neu finde" (136). Er zitiert den Satz aus der Apostelgeschichte: "Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben", und fügt hinzu, dass er als Publizist Texte schreibe, in denen er "von [s]einem Glauben spreche und zum Teil sehr persönliche Gotteserfahrungen beschreibe" (139).

Prof. Dr. Volker Kapp
07.03.2016

 
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Das Buch:

Josef Bordat: Credo. Wissen, was man glaubt

Bild: Buchcover Francesc Miralles, Das unvollkommene Leben oder wie das Glück zu Samuel fand

Rückersdorf: Lepanto Verlag 2016
168 S., € 13,90
ISBN: 9783942605137

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