Medien & Gesellschaft

Deutschland – wer bist du?

Wie werden wir Deutsche im Ausland gesehen? Wofür stehen wir Deutsche? Woher kommen wir eigentlich? Worauf können wir stolz sein? Wonach sehnen wir uns? Wovon träumen wir? Wer sind wir eigentlich? Das Selbstbild des Deutschen ist ein komplexes Gebilde und ein viel sowie kontrovers diskutiertes Thema hierzulande. Kaum eine Nation auf Erden beschäftigt sich so intensiv, selbstkritisch und sensibel mit seiner Außendarstellung wie die Deutschen. Mit dem 25. Jahrestag des Mauerfalls gibt es einen aktuellen und annähernd runden Anlass, eine sorgfältige Bestandsaufnahme des deutschen Wesens vorzunehmen.

Antworten auf die vielen eingangs gestellten Fragen versucht "Die Deutschlandsaga" zu finden. Das Zweite Deutsche Fernsehen verfolgt hierbei einen dualen Angang. Zum einen wird im November und Dezember 2014 eine sechsteilige Fernsehserie zur besten Sendezeit ausgestrahlt. Als Moderator dieser Dokumentation fungiert mit dem englischen Professor Christopher Clark ein renommierter Experte für deutsche Geschichte. Mit seinen Bestsellern, unter anderem "Die Schlafwandler", hat er sich in den vergangenen Jahren allerhöchste Reputation erarbeitet. Die Tatsache, dass für diese Rolle ein Ausländer verpflichtet wurde, zeigt, wie Selbstbild und Fremdbild in dieser Produktion gleichermaßen berücksichtigt werden wollen.

Neben dieser TV-Ausstrahlung hat das ZDF zusammen mit dem Verlag C. Bertelsmann das vorliegende Begleitbuch veröffentlicht. Verantwortet wird es von den ZDF-Redaktionsleitern Peter Arens und Stefan Brauburger, zwei erfahrenen Hasen, die bei derartigen Produktionen auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen können. Gemeinsam hatten die beiden bereits mit der Erfolgsserie "Die Deutschen" geglänzt. Das vorliegende Buch weckt zum einen die Vorfreude auf die Ausstrahlung im TV und wird zum anderen auch darüber hinaus den geneigten Leser noch erfreuen, wenn die sechsteilige Serie dann schon in der Endlosschleife in den einschlägigen Spartenkanälen laufen wird.

"Die Deutschlandsaga" beginnt folgerichtig mit der Frage nach unserer Herkunft. Ist es der Neandertaler oder doch erst der grobschlächtige Germane, der es einst sogar mit ganzen römischen Legionen aufgenommen hatte? Weiter geht es mit der interessanten Frage nach demjenigen, was die Deutschen denn nun eint. Schließlich war Deutschland in der Vergangenheit vor allem ein bunter Flickenteppich verschiedenster Lokalfürsten und kleinflächiger Hoheitsgebiete. Arens und Brauburger versuchen, die Prozesse zu beschreiben, die dafür sorgten, dass aus der deutschen Vielstaaterei eine Nation geformt wurde.

Interessante Beobachtungen machen die beiden Autoren in dem nachfolgenden Kapitel hinsichtlich der Sehnsüchte der Deutschen. Mit großem Nachdruck wird dort des Deutschen Sehnsucht nach dem Wald thematisiert. Kaum eine Nation auf der Welt fürchtet sich vor dem Waldsterben derart vehement wie die Deutschen - und hat entsprechend interveniert und gehandelt! Die Heimat scheint dem Deutschen eine Herzensangelegenheit zu sein, sie wird in guten Erinnerungen konserviert, gegen die jeder Deutsche machtlos scheint.

"Deutschland, das Land der Dichter und Denker" - Deutsche Tugenden nicht zu vergessen!

Bei der Frage danach, worauf der Deutsche stolz sein kann, wird selbst der zurückhaltendste Landsmann auf seine Dichter und Denker verweisen. Es ist beinahe schon ein feststehender Begriff, "Deutschland, das Land der Dichter und Denker". Und in der Tat gibt es mit Goethe, Schiller, Kant oder Nietzsche sowie allen anderen an dieser Stelle Nichtgenannten eine Fülle von geistigen Überfliegern, um die die ganze Welt Deutschland ehrfürchtig beneidet. Nicht zu vergessen sind schließlich die von den Musen Geküssten Bach, Beethoven und Wagner oder auch die praktisch orientierten Denker, die beispielsweise Autos zum Fahren brachten. Bei Letzteren lassen sich sicherlich deutsche Tugenden wie Disziplin und Gründlichkeit als Erfolgsfaktoren heranführen.

Die deutschen Tugenden werden in "Die Deutschlandsaga" natürlich auch noch explizit aufgegriffen und intensiv analysiert. Allein schon beim ersten Durchblättern dieses letzten Kapitels beginnt man als Leser rasch zu schmunzeln. Gartenzwerge, mit einem Handtuch reservierte Pool-Liegen, Schützenvereine, penible Mülltrennung, Schrebergärten oder Abendbrot halten einem ganz unverblümt den Spiegel vor und sind die Steilvorlage für eine Ableitung gemeinhin geltender deutscher Tugenden.

Der gleichnamige Begleitband zur TV-Serie "Die Deutschlandsaga" ist ein Buch, das nicht nur haptisch zu gefallen weiß, sondern basierend auf einem Abriss der wichtigsten geschichtlichen und kulturellen Ereignisse und Aspekte eine wunderbare Bestandsaufnahme von fast 2000 Jahren deutscher Geschichte beinhaltet, die keineswegs immer geradeaus verlief. Diese "Ungeradlinigkeit" mag ein Grund für viele der besonderen Ausprägungen sein, die den Deutschen ausmachen. Arens und Brauburger liefern eine sehr lebendige und bunte Darstellung des vielfältigen deutschen Wesens ab. "Die Deutschlandsaga" ist ein Buch, das mit seinem speziellen Blickwinkel Neuland betritt und in seiner ganzen Machart als rundum gelungen bezeichnet werden muss.

Christoph Mahnel
02.12.2014

 
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Das Buch:

Peter Arens, Stefan Brauburger:
Die Deutschlandsaga

Bild: Buchcover Peter Arens, Stefan Brauburger: Die Deutschlandsaga

München: C. Bertelsmann Verlag 2014
384 S., € 24,99
ISBN 978-3-570-10240-4

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