Medien & Gesellschaft

Kritische Gedanken über unsere Zeit aus der Sicht eines gewöhnlichen und ganzheitlich denkenden Menschen

Was mit einigen Anschreiben an österreichische Politiker und Kirchenmänner vor sechs Jahren begann, ist mit "Mein lieber Papst ... und die unbeantworteten Briefe eines kleinen Bergbauern an die Großen in unserer Zeit" zu einer ansehnlichen Briefsammlung auch an die Großen, Weisen und Mächtigen dieser Welt geworden. Dazu zählen Papst Benedikt XVI., Barack Obama, Wladimir Putin, Josè Manuel Barroso, Stephen Hawking und der ORF. 

Der Autor Karl Fritsche schließt seine Briefe stets namentlich und dem Zusatz "ein kleiner Bergbauer" und erlaubt sich unter anderem auch, den Papst mit dem für Bergbewohner üblichen "Du" anzureden. Sein Werk ist den ganz normalen Menschen gewidmet, denen Fritsche - im Gegensatz zu all seinen Adressaten - in den vergangenen Jahren zugehört hat und die sich mit ihren Sorgen des Alltags alleingelassen fühlen.

Die zwischen wenigen und bis über 70 Seiten umfassenden Briefe sind nicht chronologisch angeordnet, sondern beginnen mit dem Papst. Der Autor betont, dass er an einen göttlichen Auftrag an die Menschen in dieser Welt glaubt. Für ihn als gläubigen Christen könnte der Papst eine Autorität in dieser Welt sein, müsste aber seiner Aufgabe entsprechen, was er leider nicht tut. Vermisst Fritsche doch die Nähe der Kirche zu den Gläubigen.

Der Brief an den übrigens gleichaltrigen britischen Wissenschaftler Stephen Hawking verblüfft durch den Vergleich der Sichtweise der Menschheit ins Weltall mit Fischen, welche die Welt lediglich verzerrt aus ihrem Kugelaquarium betrachten. So sehr sich Fritsche über die Wiederwahl von Barack Obama freut, weiß er aber auch, dass gleichzeitig andere gewissenlose Mächte im Hintergrund die Fäden ziehen. Ein Besuch in Russland und das dortige Elend der Bevölkerung veranlassten den Autor zu einem Brief an Putin.

Auch wenn Fritsche sich in allen Ländern eine freie Berichterstattung wünscht, so wird sie entweder von Staats wegen unterdrückt, oder aber die Medien missbrauchen ihre Macht, um die Bevölkerung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Besonders kritisch setzt sich Fritsche mit dem Sensationsjournalismus des ORF auseinander, auch anhand bekannter Fälle aus jüngster Zeit.

Der Vorteil des Autors gegenüber allen Politikern: Er weiß, wovon er spricht. Er war sein Leben lang Bauer und musste wie seine Berufskollegen mit ansehen, wie sich der riesige Bürokratenapparat und Moloch EU in den lächerlichsten Kleinigkeiten verzettelte und die Existenz vieler Betriebe auf dem Gewissen hatte. Aber auch andere Länder leiden unter diesem EU-Wahnsinn. Der Autor kann sich darüber buchstäblich ein Bild machen, denn er war tatsächlich vor Ort.

Was den Autor des Weiteren auszeichnet: Er prangert nicht nur an, sondern macht auch durchaus nachvollziehbare Lösungs- und Verbesserungsvorschläge. Leider muss auch der Realist Fritsche gleich wieder erkennen, dass diese wohl nie umgesetzt werden können, da sie diversen Interessengruppen zuwiderlaufen. Auch die teilweise unglaublichen Ereignisse aus 30 Jahren Gemeindepolitik, davon zehn Jahre als Bürgermeister, lassen seine Darlegungen überzeugend erscheinen.

Interessanterweise hatte der Autor den größten Teil seines Lebens ohne Fernseher zugebracht. Sein Wissen und natürlich seinen gesunden Menschenverstand hat er sich durch das Radio, Wochen- und auch wissenschaftliche Fachzeitschriften sowie Bücher angeeignet.

Diese Lektüre würde nicht nur den genannten Adressaten in Politik, Kirche und Wissenschaft gut anstehen. Bezeichnenderweise blieben die Briefe immer unbeantwortet, was den Inhalt betrifft. Nur ganz wenige Empfänger bestätigten zumindest den Empfang. Wahrscheinlich würde es den angesprochenen Personen nach dem Lesen schwerfallen, den schlüssigen Argumenten des Autors etwas entgegenzusetzen.

Andreas Berger 
21.05.2013

 
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Das Buch:

Karl Fritsche:
Mein lieber Papst ... und die unbeantworteten Briefe eines kleinen Bergbauern an die Großen in unserer Zeit

Bild: Buchcover Karen Thompson Walker, Ein Jahr voller Wunder

Frankfurt am Main: August von Goethe Literaturverlag 2013
380 S., € 25,80
ISBN: 978-3-8372-1268-6

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