Medien & Gesellschaft

Das Zeugnis einer bewegten Vergangenheit

Das Leben in der Deutschen Demokratischen Republik war alles andere als ein Zuckerschlecken und die Härte des (diktatorischen) Regimes forderte einst viele Opfer. Zu diesen zählten auch Angela Erbe und ihre Liebsten. In "40 Jahre Haft. Eine Zeitzeugin erzählt" berichtet die Autorin von der schlimmsten Zeit ihres Lebens und hinterlässt beim Leser mit ihren detailgenauen Schilderungen eine Gänsehaut, die auch lange nach der Lektüre noch anhält. Die Lektüre bleibt im Gedächtnis und raubt einem den Schlaf, denn dieses Buch ist sehr eindringlich geschrieben und bedeutet vor allem eines: gute Unterhaltung, die die Vergangenheit wieder lebendig macht und die DDR - und all ihren Schrecken - für einen Abend wieder aufleben lässt.

Angela Erbe ist in einer evangelischen Pfarrersfamilie aufgewachsen - und im Glauben daran, dass die Menschen im Grunde ihres Herzens gut sind. Doch der Schmerz sitzt tief, als sie bereits als kleines Mädchen erkennen muss, dass dem nicht so ist. Die Familie hatte eine schwere Stellung im Dorf inne, nachdem Angelas Vater in US-Kriegsgefangenschaft geriet und sich nach seiner Freilassung in aller Öffentlichkeit gegen die Nationalsozialisten aussprach. Der Zweite Weltkrieg ist zwar verloren, aber die deutsche Bevölkerung hält noch immer an den Idealen von früher fest - ganz im Gegensatz zu den Erbes, die ihre Kinder in deren Drang nach Freiheit bestärkten und die in der Religion die Lösung sahen.

Es ist ein langer und steiniger Weg, den Angela gehen musste für ihr persönliches Glück. Das Medizinstudium erweist sich als schwerer Kampf, der sich allerdings gelohnt hat. Angelas größter Traum wird wahr und sie schließt ihr Studium mit Auszeichnung ab. Endlich kann die junge Frau beweisen, wie gut sie ist, und testet dabei die Grenzen der Freiheit aus. Allerdings sind diese ziemlich eng, denn in der DDR sind Andersdenkende nicht gern gesehen. Erst mit der Wende bekommt Angela endlich die Möglichkeit, von der sie zeit ihres Lebens geträumt hat: Sie wird befreit von dem Gefühl des Eingesperrt-Seins und kann endlich beginnen, ihr Leben so zu leben, wie sie es möchte.

Es ist ein trauriges Buch, das Angela Erbe geschrieben hat - aber auch eines, das voller Hoffnung steckt und aus dem der Leser Kraft schöpfen kann. Das Leben ist lediglich die Aneinanderreihung von Hürden, deren Überwindung oftmals Mühe kostet, aber die uns zugleich stärker machen. Dies ist die wichtigste Erkenntnis, die man dank "40 Jahre Haft" gewinnt. Die Deutsche Demokratische Republik mag zwar untergegangen sein, aber vergessen ist sie nicht. Das beweist auch die deutsche Autorin mit einem Werk, das den Leser zu Tränen rührt und trotzdem gute Unterhaltung bis zur letzten Seite bietet. Das nennt man ein ungewöhnliches Vergnügen, das einen glauben lässt, es wäre noch immer das Jahr 1989.

Anja Rosenthal
04.03.2013

 
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Das Buch:

Angela Erbe:
40 Jahre Haft. Eine Zeitzeugin erzählt

Bild: Buchcover Angela Erbe, 40 Jahre Haft. Eine Zeitzeugin erzählt

Frankfurt am Main: public book media 2012
85 S., € 11,80
ISBN: 978-3-86369-103-5

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