Medien & Gesellschaft

«Phaic Tan» wirkt durchaus ansteckend

Nach der Nonsens-Reise in das «Land des schadhaften Lächelns», nämlich «Molwanien», laden die kauzigen Autoren Santo Cilauro, Tom Gleisner und Rob Sitch nun zu einem Lese- Trip in das «Land des krampfhaften Lächelns» ein. Es heißt «Phaic Tan» (und nicht etwa Deutschland). Da das erste Buch ein Bestseller ist und die Deutschen bekanntlich Reiseweltmeister sind, dürften den Verfassern diesmal ebenfalls viele Leser in die tropisch heiße und feuchte «Achselhöhle Südostasiens» folgen. Derzeit steht der «Molwanien»-Nachfolger auf Platz 16 der Spiegel-Bestsellerliste.

Wie schon das in Osteuropa angesiedelte «Molwanien» gibt es natürlich auch dieses etwas anrüchige «Phaic Tan» in Wirklichkeit nicht. Aber wie beim Vorläufer wird der Leser mit Reiseerfahrung einfach nicht das Gefühl los, das Fantasiegebilde zu kennen: Es finden sich beträchtliche satirisch bis komisch verpackte Parallelen zu real existierenden Reisezielen. Das gilt für sanitäre Verhältnisse ebenso wie für die Qualität mancher Hotels, Restaurants und Krankenhäuser - Verkehrspolizisten tragen Masken, Chirurgen hingegen nicht -, für Verhaltensweisen der Gastgeber wie für die politische Lage.

Mit den Menschenrechten nimmt man es nicht immer so genau (säumige Mieter werden beispielsweise gefoltert) und mit der Demokratie schon gar nicht. Obwohl die USA in Gestalt des Geheimdienstes CIA dort aktiv waren, wie die Verfasser berichten: «Nach der Operation "Restore Democracy" in den 60er Jahren, einem versteckten Plan zur Einsetzung einer Militärjunta, folgte die «Operation Freedom», ein Plan zur Ersetzung der Junta durch einen Diktator, was wiederum zur Operation "Enduring Friendship" führte - drei Monate ununterbrochener Flächenbombardierung.»

«Phaic Tan» wirkt durchaus ansteckend, und dies nicht nur wegen der Bemerkung, «dass einem dieses tropische Paradies schon nach kurzem Aufenthalt in Fleisch und Blut übergeht»: keine Liebe auf den ersten Blick, sondern Typhus auf die erste Berührung. Weil aber «Molwanien» zuerst da war, sich Ähnlichkeiten nicht vermeiden lassen und Nachfolger selten origineller als das Original sind, mag mancher Leser den Untertitel «Land des krampfhaften Lächelns» etwas anders interpretieren als beabsichtigt. Die anderen dürfen sich auf Lachkrämpfe freuen.

Herbert Winkler (dpa)
09.05.2006

 
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Das Buch:

Santo Cilauro, Tom Gleisner, Rob Sitch:
Phaic Tan. Land des krampfhaften Lächelns

Bild: Buchcover Santo Cilauro, Tom Gleisner, Rob Sitch, Phaic Tan. Land des krampfhaften Lächelns

München: Heyne Verlag 2006
256 S., € 14,95
ISBN: 3-453-12060-4

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