Medien & Gesellschaft

"Manifest für den Mann": Ralf Bönts Antwort auf den Feminismus

Irgendwo zwischen androgynem Schönling und Elternzeit-Papa suchen die Männer derzeit nach ihrer Rolle. Einer will ihnen den Weg weisen: Ralf Bönt ruft in seinem Manifest nach wirklicher Gleichberechtigung.

Der moderne Mann ist einfühlsam, hilft bei der Hausarbeit und nimmt sich Zeit für die Familie. Vor allem aber ist der Mann heute Opfer, schreibt Ralf Bönt in seinem Buch "Das entehrte Geschlecht. Ein notwendiges Manifest für den Mann". Denn seine Sexualität werde verspottet, seine Arbeitskraft ausgebeutet. Eigene Wünsche lerne er nie zu artikulieren. Und schließlich sterbe der Mann zu früh, weil er immer nur für andere da war.

Der promovierte Physiker und Autor Bönt hat eine Krise der Männlichkeit erkannt und will nun die Männer retten. Mit wahnsinniger Wut in den Fingern hackt er schon in der Eröffnungsszene auf die Frauen ein, die Polizisten zu einem Spielplatz rufen, weil ein Vater seiner Tochter unter den Rock fasst, um die Strumpfhose zurechtzuziehen. Der Mann musste sich als Vater ausweisen, empört sich Bönt.

Der Feminismus, im Buch besonders als gewaltverherrlichende "Schnipp-schnapp Schwanz ab"-Bewegung präsent, hat die Gesellschaft grundlegend verändert. Doch ist die Geschlechterdebatte an einem toten Punkt angekommen, schreibt Bönt, an dem sich die junge Generation nicht mehr beteiligen will. Nun sollen die Männer mit ihren Forderungen die Gleichberechtigung voranbringen. Höchste Zeit also, dass Männer darüber nachdenken, was sie eigentlich wollen.

Bönt - Jahrgang 1963 und Vater von zwei Söhnen, denen er ganz unterschiedlich viel Zeit widmen konnte - berichtet von seinen Freunden, die bedauern, nicht genug Zeit mit ihren Kindern verbracht zu haben. Männer, fordert er, müssten den Anspruch stellen, Zuhause bleiben zu dürfen. Frauen, die nur auf ihre Kinder fixiert sind und ihr Reich für sich behalten möchten, seien "nicht akzeptabel".

Während die Frauen sich befreiten, blieben Männer Opfer des Systems: Ob als Fußballer in Trikots, Handwerker im Overall oder Soldaten in Kampfanzügen, überall sieht Bönt den Mann als Funktionsträger. "Männer sind Werkzeuge, die man am besten in Uniform steckt. Das negiert ihre Persönlichkeit und betont ihre Funktionalität." Am wenigsten frei seien gerade die Mächtigen im Rampenlicht: Politiker gehören ganz ihren Ämtern, Unternehmer dienen der Firma.

Auch über das Bild des aktiven und starken Geschlechts empört sich Bönt. Schließlich wähle die Frau den Partner aus und müsse folgerichtig als die Mächtige und Starke gelten. Selbst beim Sex sehe der neutrale Beobachter eigentlich: Beide Körper bewegen sich aufeinander zu. Alles eine Sache des Blickwinkels - oder der Kameraführung. "Die Frage ist nur, auf welches Schambein die Kamera geklebt wurde."

Die Zeit ist durchaus reif für ein Plädoyer für den Mann. Bönts Forderungen nach einem Recht auf ein karrierefreies Leben, ein Recht auf Krankheit ohne den omnipräsenten Hypochonder-Vorwurf und ein Recht auf Sexualität jenseits von Kriminalisierung sind berechtigt. Doch überspannt er den Bogen all zu oft: "Ich glaube auch nicht, dass Frauen schon aus ihrem historischen Wutbad gestiegen sind und sich abgetrocknet haben, obwohl es mal Zeit wird. Sie wissen nicht realistisch, wie sie sich die Männer vorstellen, mit denen sie leben wollen. ... Es wird Zeit, erwachsen zu werden."

Doreen Fiedler, dpa
07.05.2012

 
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Das Buch:

Ralf Bönt:
Das entehrte Geschlecht

Bild: Buchcover Ralf Boent, Das entehrte Geschlecht

München: Pantheon Verlag 2012
158 S., € 12,99
ISBN: 978-3-570-55185-1

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