Medien & Gesellschaft

Carolin Emcke schreibt über das Begehren

Carolin Emcke ist seit Jahren als Reporterin in Krisengebieten unterwegs. Ihr Patenonkel Alfred Herrhausen wurde von der RAF ermordet, in "Stumme Gewalt" plädierte die Journalistin dafür, das Schweigen der Täter zu brechen. Nun wird die 44-Jährige noch persönlicher. In "Wie wir begehren" erzählt sie von ihrem eigenen Coming-out und von einer Toleranz propagierenden Gesellschaft, in der "schwul" bis heute ein Schimpfwort auf den Schulhöfen ist. Und die immer noch mit Homosexualität fremdelt.

Belege für diese These gibt es einige. Auf einer Hochzeit wird die Journalistin neben Schwule platziert, als ob die sexuelle Orientierung eine Rolle beim Small-Talk spielen könnte. Bei der Kinderadoption sind Homosexuelle noch heute nicht gleichgestellt. Emcke erzählt mutig vom Erwachen der eigenen Sexualität, was zugleich eine Zeitreise in das Westdeutschland der 70er und 80er Jahren ist.

Ob es noch heute ein solches Buch braucht, ist eine Frage der Perspektive. Gerade jüngeren Lesern wird das Buch helfen, die eigene Sexualität - auch wenn sie anders ist als die Norm - nicht als Mangel zu empfinden. Das große Echo im Feuilleton und die Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse zeigen, dass Emcke einen Nerv getroffen hat.

dpa
30.04.2012

 
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Das Buch:

Carolin Emcke:
Wie wir begehren

Bild: Buchcover Carolin Emcke, Wie wir begehren

Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2012
253 S., € 19,99
ISBN: 978-3-10-017018-7

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