Medien & Gesellschaft

Mit Wissen imponieren

Kurz vor der und um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert gab es eine wahre Flut so genannter Konversationslexika. Man wollte das Wissen der Welt zusammentragen und Nachschlagewerke für jeden Zweck präsentieren. Insofern ist Dr. Ankowitschs Kleines Konversationslexikon ein bisschen anders konzipiert, denn es erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Bunt aneinander gereiht und ohne einen inneren Zusammenhang erkennen zu lassen finden sich hier Informationen aus allen Bereichen der Wissenschaften. Der Zweck des Buches ist ein durchaus amüsanter: Der Leser soll in die Lage versetzt werden, mit diesen Informationen in Gesprächen mit seinem Wissen zu brillieren oder, wenn er dies nicht wünscht, eine kunterbunte Wissenszusammenstellung von Asterix bis zur Bibel zu finden und zumindest auf jeder zweiten Seite einmal „Aha“ sagen oder denken zu können.

Wer meint, er würde aus diesem Buch nichts mehr lernen können, der soll doch einfach versuchen, den Autor zu widerlegen oder zu ergänzen. Und das geht. So gibt es im Japanischen („Deutsche Wörter im Japanischen“, S. 82) auch das Wort „Doitsu“, das nichts anderes als „Deutsch“ bedeutet. Es steht für einen Farbkarpfen, auch Koi genannt, der durch Verpaarung mit deutschen Zeilkarpfen eine charakteristische Schuppenlinie hat. In der James Bond-Zusammenstellung fehlt etwa der Film „Casino Royal“ mit David Niven als James Bond (in Deutschland praktisch unbekannt, da noch nie im Fernsehen gelaufen und eher eine Persiflage als ein Agentenfilm, aber mit sehr prominenter Besetzung von Woody Allen bis Telly Savalas). Ein Fehler findet sich auch bei den Gradangaben (S. 123), die müssen durch Komma getrennt sein, nicht, wie im Englischen, durch einen Punkt, also etwa 23,5 °C. Und natürlich fehlen bei den erst kürzlich anerkannten Hunderassen die Jack-Russell-Terrier (1993) und die Parson-Russell-Terrier (1994 in Deutschland anerkannt).

Nun stellt sich vielleicht zum Schluss die Frage, wozu man dieses Buch denn braucht? Natürlich braucht man es eigentlich nicht, aber es ist ein amüsanter Lesestoff und ein intellektueller kleiner Kitzel, der die eine oder andere Mußestunde versüßen und verkürzen kann. Das praktische Format macht es auch zu einem idealen Reisebegleiter.

hah
10.04.2005

 
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Das Buch:

Christian Ankowitsch:
Dr. Ankowitschs Kleines Konversationslexikon

Bild: Buchcover Christian Ankowitsch, Dr. Ankowitschs Kleines Konversationslexikon

Frankfurt/M.: Eichborn Verlag 2004
192 S., 22 Illustrationen
€ 14,95
ISBN: 3-8218-4895-2

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