Medien & Gesellschaft

Die Wahrheit in der Geschichte

Für das berühmte Pariser Museum Louvre ist der 21. August 1911 der dunkelste Tag seiner Geschichte. Das bekannte Gemälde "Mona Lisa" des Meisters Leonardo da Vinci wird gestohlen und bleibt monatelang spurlos verschwunden. Eine unglaubliche Geschichte war dies, die Deborah Dixon vollkommen zu Recht in einem wunderbaren Buch verewigt hat. Spannend wie ein Krimi, unterhaltsam wie ein kurzweiliger Roman und faktenreich und interessant wie eine wissenschaftliche Abhandlung - "Der Mona Lisa Schwindel" ist ein gelungenes Beispiel, dass Literatur ein Spiegel der Wirklichkeit und deshalb mindestens genauso packend wie diese ist. Schade ist einzig, dass die Autorin nicht die Veröffentlichung mehr miterleben konnte. Sie ist kurz zuvor leider gestorben. Aber das tut dem Genuss an der aufregenden Lektüre keinen Abbruch.

Man mag es kaum glauben, was sich auf 360 Buchseiten vor dem Leser ausbreitet - nämlich eine absolut fesselnde Geschichte, die Erstaunen hervorruft und zugleich ein faszinierendes Panorama des Zeitgeschehens ist. Alles beginnt mit dem Plan eines kleinen Mannes, der mehr als verzweifelt war. Anhand von Tagebüchern des Pariser Kunsthändlers Eduardo de Valfierno und seiner Witwe verfolgt Dixon die damaligen Vorgänge, die die ganze Welt - jedenfalls im Nachhinein - in Atem hielt. Mit von der Partie ist ein Meisterfälscher aus Marseille, der mit leichter Hand vier Kopien der "Mona Lisa" anfertigt und damit eine Lawine der Ereignisse lostritt. Das Original geht derweil auf große Reise.

Valfierno lässt sein Gemälde nicht mehr aus den Augen und hat die "Mona Lisa" auf dem Weg einmal um die Welt stets bei sich an der Seite. Der erste Weltkrieg und die wilden Zwanziger Jahre führen den Kunsthändler unter anderem nach Havanna, wo er Aufregendes erleben darf. Die Renaissance-Dame lächelt ihm bei seinen Abenteuern jedes Mal begütigend zu. Ihren alten Platz im Louvre scheint sie nicht zu vermissen. Aber handelt es sich dann überhaupt um das Original, dass im Louvre Massen von Besucher anzieht? Einzig Valfierno weiß die ganze Wahrheit und er ist nicht gewillt, diese preiszugeben. Stattdessen tritt er weitere Reisen an - unter anderen nach New York und in das aufblühende Hollywood, wo die Skandale offenbar auf den erfolgreichen Geschäftsmann gewartet haben. Doch auf einem glamourösen Fest findet die Odyssee schließlich ein dramatisches Ende ...

"Der Mona Lisa Schwindel" ist ein in formvollendeter Kunst gewebter (Sagen-)Stoff, der für den Leser zugleich eine Verführung wie Offenbarung erscheint. Deborah Dixon hat aus den besten Zutaten - fesselnde Spannung, große Dramatik und Unterhaltung im besten Sinne - eine Lektüre geschaffen, die eine unglaubliche Geschichte wie einen packenden Roman der Fantasie erscheinen lässt. Doch Deborah Dixon hat nichts erfunden, nichts an der Historie verändert, sondern mit ihrem Werk lediglich eine Episode der Kunstgeschichte wiedergegeben. Und trotzdem hält sich der Glaube, dass die Autorin ein Stück weit ihren Einfallsreichtum wirken ließ, um ein Bild in den Gedanken ihrer Leser entstehen zu lassen. Das ist packende und kurzweilige Literatur, die "Der Mona Lisa Schwindel" auf 360 prallgefüllten Seiten bietet.

Susann Fleischer
09.01.2012

 
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Das Buch:

Deborah Dixon:
Der Mona Lisa Schwindel. Aus dem Nachlass herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt samt eines Nachworts von Werner Fuld

Bild: Buchcover Deborah Dixon: Der Mona Lisa Schwindel.

Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2011
360 S., € 32,00
ISBN: 978-3-821-86245-3

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