Medien & Gesellschaft

Gestatten, mein Name ist Bond, James Bond

Dieser Satz wurde – noch vor "Schau mir in die Augen, Kleines" aus "Casablanca" – im Jahre 1999 zum berühmtesten Satz der Filmgeschichte gewählt. Dies kennzeichnet etwas von der Faszination, die auch 40 Jahre nach dem ersten Auftritt in der Filmgeschichte von diesem "Geheimagenten ihrer Majestät" ausgeht. Und dabei ist heute schon sicher, dass uns James Bond auch noch die nächsten Jahre begleiten wird.

Das Buch beschränkt sich aber nun nicht etwa darauf, nur über die bisher erschienenen 22 007-Filme zu berichten. Ja, 22, denn die Verfilmung des Romans "Casino Royal" mit David Niven in der Rolle des James Bond und einer sehenswerten Besetzungsliste (u.a. Orson Welles, Woody Allen, Ursula Andress – die schon erstes Bond-Girl war –, Deborah Kerr, Jacqueline Bisset und Peter Sellers) wurde 1967 von einem anderen Produzenten vorgenommen und hat auch nicht den Weg ins Fernsehen gefunden, im Gegensatz zum ebenfalls nicht von Broccoli & Saltzman (später Wilson & Broccoli) 1983 produzierten Remake von "Feuerball", "Sag niemals nie".

Damit wäre aber der für die Geschichte dieser Filme wichtigste Name bereits genannt: Albert R. Broccoli, dessen Arbeit nun von seiner Tochter Barbara Broccoli weitergeführt wird. Inzwischen sind es 20 Filme, die mit Beteiligung dieser beiden entstanden sind, so auch der Ende 2002 angelaufene "Stirb an einem anderen Tag". Das Buch profitiert dabei sehr von der guten Bekanntschaft John Corks mit der Familie Broccoli. So konnten viele Hintergrundinformationen, aber auch zahlreiche bislang unveröffentlichte Aufnahmen der diversen Filmsets veröffentlicht werden.

Daneben beschäftigt sich das Buch aber auch ausführlich mit dem Einfluss dieser Romanfigur auf unsere Gesellschaft. Wie weitreichend dieser ist, kann man daran erkennen, dass die thailändische Insel Phuket erst nach den Filmaufnahmen zu "Der Mann mit dem goldenen Colt" zu einem Touristenort ausgebaut wurde, der heute von Millionen von Erholungssuchenden aufgesucht wird. Während hier der Zusammenhang direkt nachgewiesen werden kann, muss man in vielen anderen Fällen etwas mehr suchen, wird aber auch fündig.

Sehr gut ist auch die Beschreibung der Veränderung des Typs James Bond während der 40 Jahre Kinoexistenz. Vom knallharten Macho zum smarten Frauenliebling, von der eher naiven Honey Rider (gespielt von Ursula Andress) hin zur selbstbewussten Giacinta "Jinx Jordan" (dargestellt von Oscar-Preisträgerin Halle Berry), bei der die Frau am Morgen heimlich verschwindet und nicht mehr James Bond, kann diese Entwicklung auch an den Darstellern von Bond und den Bond-Girls hervorragend nachvollzogen werden.

Natürlich sind die 007-Filme inzwischen ein Milliardengeschäft, zumindest über die Zeit betrachtet. So ist auch bei diesem Film wieder ein Einspielergebnis über 350 Millionen Euro zu erwarten, wie bereits beim letzten Bond-Film 1999, "Der Morgen stirbt nie", erreicht.

So verwundert es auch nicht, dass viele versuchten, sich an den Erfolg zu hängen und dabei auch durchaus erfolgreich waren, wie zuletzt Mike Myers mit seiner "Austin Powers"-Reihe, deren letzte Folge "Goldständer" nicht zufällig eine Persiflage auf "Goldfinger" ist, den wohl legendärsten James Bond-Film, mit dem unvergessenen Gert Fröbe in der Rolle des Bond-Bösewichts (auch das inzwischen ein Prädikat) Auric Goldfinger.

Für alle 007-Fans bietet dieses schwergewichtige, großformatige Buch jedenfalls eine Fülle von Informationen und lässt die bisherigen 40 Jahre Bond-Kinogeschichte hervorragend Revue passieren. Natürlich ist es nur eine Zwischenstation, denn James Bond wird uns auch weiter begleiten.

hah
12.12.2002

 
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Das Buch:

John Cork, Bruce Scivally:
James Bond. Die Legende von 007

Bild: Buchcover John Cork, Bruce Scivally, James Bond. Die Legende von 007

Bern, München, Wien: Scherz Verlag 2002
320 S.
ISBN: 3-502-15340-X

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