Medien & Gesellschaft

Ein Schlaganfall und seine Folgen

Karlheinz Alberti und seine Frau Lori sind seit Jahrzehnten verheiratet und genießen nun ihr Rentnerdasein. Sie reisen viel und gönnen sich, was ihnen Spaß macht und was die Armut der früheren Jahre nicht ermöglicht hatte. Die Albertis haben für ihren Lebensabend ein bisschen was auf der hohen Kante liegen und sind zufrieden. Eines Tages jedoch erleidet Lori Alberti einen sehr schweren Schlaganfall und das Leben der beiden ändert sich ebenso schlagartig.

Im Krankenhaus werden Herrn Alberti Hoffnungen gemacht, dass es seiner Frau in der nachfolgenden Reha von Tag zu Tag besser gehen würde. Über mögliche bleibende Schäden findet keine weitere Aufklärung statt, es wird ihm einfach nur mit auf den Weg gegeben, dass bald alles besser wird. Karlheinz Alberti ist unerfahren und verlässt sich auf die Aussagen der Ärzte. Da ja baldige Besserung in Aussicht steht, beschließt er, seine Frau danach zu sich zu nehmen und nicht in ein Pflegeheim zu geben. Die Reha beginnt und Herr Alberti bemüht sich nach Leibeskräften darum, dem Pflegepersonal alle anfallenden Arbeiten abzuschauen, um sie dann selbständig zuhause fortführen zu können. Schnell wird er zum Hilfspfleger und noch schneller merken die Pflegekräfte, dass sie in Herrn Alberti jemanden haben, der freiwillig und gut viele Arbeiten übernimmt. Für Notfälle sind sie da, aber ansonsten überlassen sie ihm gern das Feld.

Doch am Gesundheitszustand seiner Frau ändert sich so gut wie gar nichts. Sie kann nicht sprechen, ist halbseitig gelähmt und Herr Alberti weiß noch nicht einmal, was und wieviel von seinen Erzählungen sie wirklich noch versteht. So kommt nach mehrmaligen Verlängerungen der Reha-Maßnahmen nach vier Monaten der Tag der Heimreise. Pflegehilfsmittel sind verordnet worden und Frau Alberti wird nach Hause gefahren. Es gibt eine kurze Einführung, der Fahrer verschwindet und Herr Alberti ist alleine mit seiner pflegebedürftigen Frau.

So hatte er sich das nicht vorgestellt. Er baut von Tag zu Tag körperlich immer mehr ab, denn seine Frau ist kein Leichtgewicht und das ständige Heben und Umlagern geht auf die Gelenke. Der Zustand seiner Frau schlägt auch auf seine Psyche, denn sie tut ihm unsagbar leid. Herr Alberti kümmert sich dennoch so gut er kann, schließlich handelt es sich um die Frau, die er liebt. Doch als er körperlich und seelisch so am Ende ist, dass er nicht mehr anders kann, gibt er sie für eine Langzeitpflege in ein Seniorenheim. Was er dort erlebt, schlägt dem Fass jedoch den Boden aus. Damit beginnt der zweite Teil dieses Buches, welches Geschichte, Ratgeber und Leitfaden in einem ist.

Karlheinz Alberti deckt schonungslos auf, was tagtäglich in unseren Pflege- und Altenheimen passiert. Er trägt sein eigenes Beispiel vor, weiß aber ausreichend von anderen ebenfalls pflegebedürftigen Menschen zu berichten, denen es an vernünftiger und guter Pflege mangelt. Natürlich steht ihm seine Frau am nächsten und nach einigen Monaten spitzt sich ihre gesundheitliche Situation so zu, dass er sie wieder aus dem Heim nimmt, was sie ihm mit Freudentränen dankt, die ihm selbst die Tränen in die Augen treiben.

Dieses Buch sollte Pflichtlektüre sein für sämtliche Politiker im Gesundheitswesen, für Pflegekräfte und vor allen Dingen für Heimleitungen, aber auch für hilflose und unwissende Angehörige. Karlheinz Alberti lässt nichts aus. Er berichtet vom Leben mit seiner pflegebedürftigen Frau und dem Pflegealltag, er dröselt dem Unwissenden die Pflegetarife auf, die anfallenden Kosten für die private Pflege zuhause, aber auch die zusätzlichen Kosten bei einem Heimaufenthalt. Außerdem berichtet er über diverse Hilfsmittel, deren Vorzüge und negative Seiten. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung kommt ebenso ins Spiel wie die Krankenkassen selbst. Der Autor versucht ein Gesamtbild zu erstellen. Damit deckt er Missstände auf und gibt gleichzeitig Einblick in die Pflege von schwerstkranken Menschen.

Dieses Buch ist unglaublich lehrreich, hilfreich und einfühlend. Aber auch aufzeigend, ermahnend und wegweisend. Es kann durchaus als Entscheidungshilfe dienen, für die Menschen, die einfach nicht wissen, was sie mit ihrem pflegebedürftigen Angehörigen tun sollen. Es öffnet die Augen und zeigt die Realität. Es macht manchmal nicht gerade Mut, aber dafür ist es grundehrlich und aufschlussreich. Ein Appell, der schon so lange von Nöten war und endlich geschrieben wurde!

Tanja Küsters 
17.08.2009 

Eine Lesung aus diesem Buch finden Sie hier: 
http://www.autoren-tv.de/vorschaltseiten/alberti_intro.html

 
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Das Buch:

Karlheinz Alberti:
Ein Schlaganfall! Und was nun?

Bild: Buchcover Karlheinz Alberti, Ein Schlaganfall! Und was nun?

Frankfurt am Main: Weimarer Schiller-Presse 2009
312 S., € 13,40
ISBN: 978-3-8372-0345-5

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