Biographie

Eine Biografie , wie es sie kein zweites Mal gibt

Hans Gehs kann auf ein langes und ereignisreiches Leben zurückblicken. Den Leser lässt er in seiner Biografie "Systemwechsel" an diesem teilhaben. So ist man beispielsweise dabei, als der Autor in einer klirrendkalten Dezembernacht des Jahres 1927 das Licht der Welt erblickt, als er die Nachricht vom Tod seines älteren Bruders Bodo bekommt und als sich der damals 18-Jährige gegen die Sowjets im Kampf beweist. Gehs hat viele Schicksalsschläge erdulden müssen. Sein Leben ist voller Wechselfälle, gezeichnet von Entbehrungen und Demütigungen. Doch jedes erlittene Leid stärkt einen für das, was noch auf einen warten möge.

Aufgewachsen unter dem Hakenkreuz kehrt Hans Gehs nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in seine Heimatstadt zurück. Im DDR-Alltag fehlt es dem jungen Mann an allem - vor allem aber an Freiheit. Die Stasi macht ihm das Leben schwer. Diese zwingt ihn als GI "Adler" zu arbeiten. Er wird erpresst. Aber schon bald will man sich von seiner Arbeit als informeller Mitarbeiter trennen, da Gehs "stark an Tuberkulose erkrankt und außerdem ein Weiberheld und Säufer sei, der im Suff interne Sachen ausplaudern könnte". Hat Gehs umsonst gelitten, umsonst in steter Angst gelebt? Dann öffnen sich am Abend des 9. November 1989 die Grenzen gen Westen und Gehs ein Bürger des wiedervereinten Deutschlands. Aber vergessen - das kann er bis heute nicht.

Geschichte als fesselndes Leseerlebnis - "Systemwechsel" von Hans Gehs ist weitaus mehr als eine Biografie. Das Ganze liest sich wie ein Geschichtsbuch, das es weder an Spannung noch Emotionen fehlen lässt. Der deutsche Autor schafft hier ein Zeugnis gelebter Historie, wie man sie selten in die Hand bekommt. Man unternimmt eine Reise in das Nazideutschland zur Zeit Adolf Hitlers, in die Deutsche Demokratische Republik unter der Regierung Walter Ulbrichts und Erich Honeckers und in ein Deutschland nach dem Mauerfall von 1989. Bei der Lektüre vergisst man zwischenzeitlich die Welt um sich herum, denn Gehs schreibt absolut packend und mitreißend über sein Leben.

Von Büchern wie "Systemwechsel" sollte es auf dem deutschen Literaturmarkt definitiv mehr geben. Hans Gehs versteht es aufs Beste, dem Leser einen Genuss zu bereiten, den dieser so schnell nicht mehr vergessen wird. Sein Leben liest sich wie ein Roman, sodass man am Ende nur zu dem gleichen Schluss kommen kann wie der Autor selbst: "Sonderbar war mein Schicksal."

Anja Rosenthal
08.12.2014

 
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Das Buch:

Hans Gehs: Systemwechsel. Mein Leben in drei deutschen Staaten

Frankfurt am Main: Weimarer Schiller-Presse 2014
126 S., 12,40
ISBN: 978-3-8372-1430-7

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