Biographie

Die Wahrheit eines Russlanddeutschen

Edwin Hoffmann lebte zu Beginn der dreißiger Jahre mit seinen Eltern und Geschwistern als Russlanddeutscher in der Ukraine. Er war zweieinhalb Jahre alt, als sein Vater wie fast alle deutschen männlichen Einwohner des Dorfes verhaftet wurde und auf Befehl Stalins 1937 hingerichtet wurde. Die deutschen Frauen mussten mit ihren Kindern die Ukraine verlassen und wurden in Kasachstan neu angesiedelt.

Es sind diese traumatischen Ereignisse, die den Autor bis zur heutigen Zeit keine Ruhe lassen. Er forschte nach, um Näheres über den Verbleib der Einwohner seines Dorfes und der Umgebung zu erfahren, wandte sich auch an das Volkskommissariat des Inneren. Die Antwort war für ihn unbefriedigend. Trotzdem gelang es ihm, viele Namen zusammenzutragen und diese im Anhang des Buches mit den wichtigsten Angaben zu ihrer Person beizufügen.

Beim Lesen des Buches werden die elendigen Verhältnisse deutlich, unter denen die vertriebenen Deutschen damals leben mussten, in erbärmlichen Behausungen, ohne Kleidung und zu Essen. Edwin Hoffmann hat in seinem jungen Leben bereits den Überlebenskampf gelernt und verzweifelte nie, auch nicht, als sein Mutter plötzlich infolge der unmenschlichen Lebensumstände starb. Er ist zu Recht stolz auf seine Generation, denn viele Freunde schlossen genau wie er unter diesen Bedingungen die Schule und ein Studium ab. Auf Seite 110 sagt Hoffmann: "Das Leben ist eine komplizierte Sache, mich hat es viel gelehrt."

Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Abteilung für Elektrifizierung des Institutes in Alma-Ata aufgelöst, in dem er in leitender Funktion tätig war. Er sah für sich keine Zukunft mehr und entschloss sich, mit seiner Familie nach Deutschland auszuwandern. Er bezeichnet sich als überzeugten Internationalisten und versteht darunter vor allem die gleichen Rechte für alle.

Edwin Hoffmann hat sich nie mit Halbwahrheiten und Oberflächlichkeiten zufrieden gegeben. Intensiv setzt er sich mit den historischen Ereignissen auseinander, auf der Suche nach der Schuld, mit dem Ziel, die Verbrecher zu verurteilen und den Ermordeten zu ihrem Recht zu verhelfen. In seinen Analysen erfahren die Leser seine Wahrheit über den Stalinismus, die Zeit des Faschismus und den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Er zitiert, als er über die Juden schreibt, auch Ariel Scharon, hat aber zu den Juden und vielen historischen Entwicklungen seine ganz eigene Sicht der Dinge, die man nicht so ohne weiteres teilen kann.
Für Edwin Hoffmann ist es wichtig, die Wahrheit zu sagen, denn die tiefen Veränderungen in seinem Leben, und das Vermächtnis seiner getöteten Eltern sind für ihn Verpflichtung und Mahnung zugleich.

Dr. Helga Miesch
20.10.2014

 
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Das Buch:

Edwin Hoffmann: Habe keine Rechte

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Frankfurt: August von Goethe Literaturverlag
222 S., 32,80
ISBN-13: 978-3837214734

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