Biographie

Gegen Klischeevorstellungen vom Islam

«Ich wollte gerne ein Buch schreiben, das dazu beitragen würde, die in der westlichen Welt herrschenden Klischeevorstellungen vom Islam zu korrigieren, besonders die von der Muslimin als fügsames, hilfloses Wesen.» Diese Passage aus dem Nachwort der Autobiografie der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi beschreibt treffend den Grundton ihres Buches. Ihr Leben hat sie dem Kampf für Meinungsfreiheit und für die Rechte der Frauen in ihrem Land verschrieben. So sind ein spannend geschriebenes Porträt ihres Lebens und eine detaillierte Analyse der politischen Verhältnisse im Iran entstanden.

Anhand ihres eigenen Weges versucht die Juristin Ebadi zu zeigen, wie sich der Iran veränderte. Dabei wirkt ihr Buch keineswegs mutlos oder skeptisch. Ganz im Gegenteil: Veränderungen in der islamischen Republik vollziehen sich langsam und subtil - so dass man sie leicht übersieht, schreibt sie. Die Angst sei ihr ständiger Begleiter und «mein größter Feind». Doch unerschütterlich glaubt sie nach wie vor an eine friedliche Umgestaltung ihres Landes. Die vielen juristischen Erfolge, die sie alle als kleine Schritte bezeichnet, ermutigen sie, ihren Weg konsequent zu verfolgen.

Das geschriebene Wort bezeichnet Ebadi als «machtvollstes Werkzeug, um uns sowohl vor den Tyrannen von heute als auch vor unseren eigenen Traditionen zu schützen». So hofft sie auch mit ihrer Autobiografie eine Kommunikation zwischen den USA und dem Iran in Gang zu setzen. Die Interessen beider Länder seien verwickelt; um so wichtiger sei es, dass die Menschen beider Länder gegenseitiges Misstrauen abbauten.

Als aktuelle politische Analyse will Ebadi ihre Autobiografie nicht verstanden wissen. Dennoch appelliert sie angesichts der Konfrontation vor allem mit den USA an alle Beteiligten, den politischen Prozess zu nutzen: «Ich sehe keine anderen Möglichkeiten.

Es ist die Aufgabe des Iran, einen friedlichen Übergang zu einer demokratischen Regierung zu finden.» Die Iraner seien der Gewalt und des Blutvergießens müde. Daher seien sie derzeit auch nicht bereit, Waffen gegen ihre Regierung zu richten. «Der Westen hat seinerseits die Möglichkeit, den Iran auf diplomatischem Weg zu einer Verhaltensänderung zu zwingen - von der Einhaltung der Menschenrechte innerhalb des Landes bis zur Natur seines Atomprogramms», betont sie.
Die Androhung von Gewalt dagegen untergrabe die entstehende Zivilgesellschaft.

Claudia Untermann, dpa
03.07.2006

 
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Das Buch:

Shirin Ebadi:
Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung

Bild: Buchcover Shirin Ebadi, Mein Iran. Ein Leben zwischen Revolution und Hoffnung

Starnberg/Zürich: Pendo Verlag 2006
294 S., € 19,90
ISBN: 3-86612-080-X

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