Biographie

Heines Hahnenkmpfe

Hader, nichts als Hader! Hader mit dem Heimatland. Hader mit den Heines, wie das bei Heines ?blich war. Was w?re das Leben des Harry, Heinrich, Henri Heine gewesen, ohne den lebenslangen Hader? Eine lauschige, liebliche, lahme Angelegenheit? Heinrich Heine war f?r?s Lauschige, Liebliche, Lahme nicht geschaffen. Er brauchte die pers?nlichen und politischen Turbulenzen der Tage alle Tage. Wenn n?tig, f?rderte er die Turbulenzen zu Tage. Reibungen jeglicher Art entz?ndeten den Dichter und lie?en Flammen aus seinen Texten schlagen. Aus den poetischen wie den privaten. So unvers?hnlich sich Heine in publizistischen, auch literarischen Schriften ?u?erte, so unvers?hnlich artikulierte er in seinen Postillen den Widerwillen gegen Schei?er, Schleimer, Scharlatane, Schie?budenfiguren... Und, er war sich nicht zu schade, mal den Einen, mal den Anderen Schmus auf die Backe zu schmieren. Und, er fand es ganz und gar nicht schm?hlich, ein bi?chen hier, ein bi?chen dort zu manipulieren.

Dieser Heine war ein Luder! Kein Titel konnte deshalb treffender sein als der dialektisch-doppelsinnige "Leben Sie wohl und hole Sie der Teufel", den Herausgeber Jan-Christoph Hauschild f?r eine Ausgabe mit Briefen des Dichters w?hlte. Die Korrespondenz sind die direkteste, indirekte "Biographie in Briefen", die Heine h?tte schreiben k?nnen, die die Leser von ihm h?tten erwarten k?nnen.

Heinrich Heine, das ist in den Brief-S?tzen zu entnehmen, behielt gern die Oberhand. Geduldig, was die nie versiegenden Auseinandersetzungen mit dem Haus-Verleger Campe deutlich machen. Ungeduldig, wenn, vor allem die preu?ische Zensur, die Schriftst?cke verst?mmelte und sich der Verleger nicht als widerstandsf?hig erwies. Dieser Dr. Heine war keiner, der sich beliebt machte und doch geliebt werden wollte. Bereits der 19j?hrige bemerkte illusionslos ?ber das Dichten und seine Dichtungen: "Poesie ist wie in Honig getauchter Schmerz..." Damit, meinte der Lyriker, ist nicht Furore zu machen und machte damit Furore. Heinrich Heine war ein ewiger Anecker, dem stets der Sinn nach Verstehen und Verst?ndigen stand ? glaubt der gutm?tige Mensch dem Schreiber der Briefe, denen mangelhafte Deutlichkeit nicht nachzusagen ist. Abgesehen von den Zeilen, in denen der Herr h?chstselbst den biederen Anbiederer gibt. Wie dem Glauben schenken, wenn die gesamte Briefchronik gelesen ist?

Deutlich blieb Heine, wenn er ?ber Verleger urteilte: "Verleger klagen immer..." Wenn er seine Meinung zur ?ffentlichen Meinung formulierte: "Leider h?ngt die ?ffentliche Meinung, mehr als man glaubt, von den Journalen ab." Wenn er sich ?ber das Mittelm??ige auslie?: "Es ist eine gar zu schlechte Zeit, und wer die Kraft und den freien Muth besitzt, hat zugleich auch die Verpflichtung, ernsthaft in den Kampf zu gehen gegen das Schlechte, das sich so aufbl?ht, und gegen das Mittelm??ige, das sich so breit macht, so unertr?glich breit. Deutlich ist der Dichter, der in jungen Jahren impulsiv hinausposaunt: Alles, was deutsch ist, ist mir zuwider... W?re ich ein Deutscher ? und ich bin kein Deutscher..." Aus dem Deutschlandha? sprach die Deutschlandliebe, die den Freund der Franzosen und Bewohner von Paris so oft um den Schlaf brachte. Deutlich war des Dichters Distanz zur j?dischen Herkunft, die ihm den Namen Heinrich bescherte und den der langsam, schm?hlich, schmerzlich Sterbende wieder durch den Geburtsnamen Harry ersetzte.

Mancher Satz in Heines Brief-Lebens-Chronik bringt uns einen Mann nah, von dem man meint, er sei ein Zeitgenosse. Wie entschieden er ein Genosse seiner Zeit war, daran l??t keine Seite der Brief-Biographie Zweifel. Wie eindeutig dieser Heinrich Heine (1797-1856) ein Mensch aller Zeiten sein wollte, ?u?erte er mit der ihm eigenen Selbstgewi?heit, als er in Italien schreibt: "Hier sprechen die Steine und ich verstehe ihre stumme Sprache". Als er seinen Verleger diktiert: "Sie haben keinen Begriff davon wie gro? ich geworden bin. Ich ?berrage einen ganzen Kopf hoch eine Menge Schriftsteller..." Das wusste ein Mittdrei?iger, von sich zu sagen, dem, im Nachhinein, niemand Selbst?bertreibung vorwerfen kann. Wieso sich da noch l?nger wundern, weshalb der Heinrich Heine alle Hahnenk?mpfe gewinnen wollte?

Bernd Heimberger
10.09.2005

 
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Das Buch:

Jan-Christoph Hauschild (Hrsg.): Heinrich Heine: Leben Sie wohl und hole Sie der Teufel. Biographie in Briefen

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Berlin: Aufbau-Verlag 2005
478 S., 24,90
ISBN: 3-351-03056-8

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