Biographie

Mein Leben und Streben

So lautete der ursprüngliche Titel der 1910 geschriebenen und erst nach dem Tod Karl Mays veröffentlichten Autobiographie, die schließlich unter dem Namen "ICH" in den Gesammelten Werken als Band 34 Aufnahme fand. Dieses Buch enthält eine Vielzahl von Informationen zum Leben des Volksschriftstellers Karl May, aber natürlich aus seiner eigenen, sicher gefärbten Ansicht. Denn die Autobiographie war unter dem Eindruck der zahlreichen Angriffe und Zivilprozesse entstanden, die May in seinen letzten Lebensjahren stark belastete.

Schon wenige Jahre später erschienen erste Studien über May und die Gründe seines Erfolgs. Tatsächlich ist er heute immer noch ein viel gelesener Autor und damit ein Phänomen, den viele seiner Zeitgenossen sind längst in Vergessenheit geraten. Obwohl die vorliegende Arbeit nicht die erste Biografie über Karl May ist, der Autor selbst hat 1988 und 1990 zwei solche vorgelegt, ist durch zahlreiche Arbeiten auch noch der letzten Jahre so viel neues Material zusammen gekommen, dass eine neue Zusammenfassung geboten schien.

Unter dem Titel "Winnetous Blutsbruder" wurde nun ein vorläufiger Abschluss zur Forschung zum Leben Karl Mays vorgelegt, der an Ausführlichkeit eigentlich kaum noch zu überbieten sein kann. Durch die Nachforschung in allen in Frage kommenden Archiven wurden praktisch alle zugänglichen Quellen gefunden und natürlich ausgewertet. Dabei muss ausdrücklich betont werden, dass diese Arbeit geradezu vorbildlich durchgeführt wurde und keine Chance ausgelassen wurde, Material zu erhalten. Viel dürfte nun nicht mehr zu erforschen sein.

Dabei ist diese Biografie keineswegs eine Lobhudelei. Heermann geht durchaus kritisch an das Leben Karl Mays heran. Er beschreibt nachvollziehbar, mit welchen Methoden May, der kleine, schwächliche Mann, der für den Militärdienst deswegen ungeeignet gewesen war, versucht hatte, aus dem Milieu der armen sächsischen Weber, in das er hineingeboren wurde, herauszukommen. Über fast acht Jahre Aufenthalt im Arbeits- und Zuchthaus und mühsame erste Schritte gelang es ihm schließlich, zum gefeierten Schriftsteller zu werden, der die lange ersehnte Anerkennung erhielt. Das führte allerdings zu einer Verwechslung von Wirklichkeit und Fantasie bei May, die zahlreiche Neider auf den Plan rief und Mays letzte Lebensjahre geradezu vergällte.

Warum jedoch der Erfolg Karl Mays so groß war und bis heute anhält, kann dieses Buch nicht letztendlich klären. Sicher war die Gründung des Karl-May-Verlags, der auch diese Biografie herausgab, einer der Hauptgründe, aber natürlich auch die Qualität und Spannung der Mayschen Bücher. Darüber hinaus bleibt Karl May aber immer noch Mysterium, auch wenn wir nun sein Privatleben gut kennen.

Dazu tragen auch die zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen bei, die das Buch illustrieren und nicht nur May, seine Bücher und seine Umgebung zeigen, sondern auch etliche seiner Zeitgenossen, die für May von Bedeutung waren. Wer immer sich dem Mysterium des Erfolgs von Karl May nähern will, ist mit dieser Biographie bestens bedient.

hah
03.12.2002

 
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Das Buch:

Christian Heermann: Winnetous Blutsbruder. Karl-May-Biografie

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Bamberg, Radebeul: Karl-May-Verlag 2002
572 S., 15,90
ISBN: 3-7802-0161-5

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