Biographie

Auf Spurensuche in Weimar

Seine große Zeit erlebte Weimar vor ungefähr 200 Jahren. Und diese längst vergangene Epoche hat ohne Frage unauslöschbare Spuren in dem thüringische Städtchen hinterlassen. In seinen "Weimarer Geschichten" macht sich Peter Braun auf die Suche nach diesen Spuren bekannter Persönlichkeiten, deren Namen untrennbar mit Weimar verknüpft sind.

Dabei entwirft er ein äußerst lebendiges Bild von der Stadt, in der die Gelehrsamkeit im Zeitalter der großen Entdeckungen einen überaus hohen Stellenwert besitzt. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen ist Christoph Martin Wieland, der Deutsche Schriftsteller der damaligen Zeit schlechthin, dem Herzogin Anna Amalia die Erziehung ihres Sohnes Carl August anvertraut. Im angenehmen Plauderton erfährt der Leser alles Wissenswerte über dessen Vita und ganz nebenbei bekommt er leicht verdaulich Fakten aus der Literaturgeschichte serviert, wie zum Beispiel den Dichterstreit zwischen Gottsched und Bodmer, in dem es um die Art der Abbildung der Wirklichkeit in der Literatur geht. Wielands besondere Leistungen werden dabei als Momentaufnahmen dargeboten.

Mittels dieser Technik, die durch das Einstreuen unzähliger Originalzitate der Protagonisten dieses Buches zu einer erstaunlichen Lebendigkeit gelangt, gelingt es Peter Braun, seine Leser völlig in den Bann der vorgestellten Lebensgeschichten zu ziehen. Egal ob er über Johann Wolfgang von Goethe berichtet, dessen eigenhändige Zeichnungen den Text neben anderen zeitgenössischen Illustrationen auf beeindruckende Art und Weise untermalen, oder über Charlotte von Stein, die (Liebes-)Nuss, die für den Dichterfürsten über Jahre hinweg einfach nicht zu knacken ist, über die vielseitig begabte Schauspielerin Corona Schröter oder die Vögel Johann Peter Eckermanns, über den bürgerlichen Jean Paul oder den ständig kranken Friedrich Schiller und dessen Schädel, nie wird es langweilig und immer schafft es der Autor, die einzelnen Lebenswege geschickt zu kreuzen und so immer wieder neue Pfade einzuschlagen, auf denen es so manche Überraschung zu entdecken gibt.

Überaus beeindruckend ist dabei die Leichtigkeit, mit der Peter Braun dem Rezipienten historisches und literaturgeschichtliches Wissen vermittelt und ihm einen Überblick über die Entstehung der wichtigsten Werke der Deutschen Literatur aus den Federn der Klassiker Goethe und Schiller gibt. Man bekommt als Leser unwillkürlich den Eindruck, in die damalige Zeit versetzt worden zu sein und die Weimarer Größen leibhaftig auf ihren Lebenswegen zu begleiten. Und wer hätte gedacht, dass Friedrich Schiller im Laufe der Jahrhunderte zwar gleich mehrmals bestattet, aber in Wirklichkeit doch nur einmal tatsächlich zu Grabe getragen wurde und sein Sarkophag in der Fürstengruft zu Weimar leer ist? Es lohnt sich also auf jeden Fall, mit Peter Braun in Weimar um die Häuser zu ziehen.

Christian Götz
08.06.2009 

 
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Das Buch:

Peter Braun:
Weimarer Geschichten. Von Goethe bis Schiller. Eine Spurensuche

Bild: Buchcover Peter Braun, Weimarer Geschichten. Von Goethe bis Schiller. Eine Spurensuche

München: dtv 2009
160 S., € 12,90
ISBN: 978-3-423-34548-4

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